Östrogendominanz & Progesteronmangel einfach erklärt

Hormone sind die heimlichen Herrscher über deine Körperfunktionen. Sie werden in verschiedenen Zellen deines Körpers gebildet. Doch was geschieht wenn die Balance im Hormonhaushalt gestört ist?

In diesem Artikel erklären wir dir die Ursachen und Symptome von Östrogendominanz und Progesteronmangel. Wir zeigen dir, wie du deine Hormone ganz einfach testen lassen kannst und was gegen hormonelle Ungleichgewichte hilft.


Was ist eine Östrogendominanz?

Östrogen und Progesteron solltest du kennen, denn sie zählen zu den wichtigsten weiblichen Geschlechtshormonen. Dein monatlicher Zyklus schwingt unter „Normalbedingungen“ in einem gleichmäßigen immer wiederkehrenden Rhythmus, in dem sich die Hormone gegenseitig beeinflussen.

Hormonhaushalt

Wenn das Verhältnis zwischen den Hormonen Östrogen und Progesteron gestört ist, fällt es meist zu Ungunsten des Progesterons aus. Du hast sozusagen einen Progesteronmangel bedingt durch einen Überschuss an Östrogen – das nennt man dann einen relativen Progesteronmangel. Wenn also zu viel Östrogen und zu wenig Progesteron vorhanden ist, spricht man von einer Östrogendominanz.

Wann tritt eine Östrogendominanz auf?

Die Entstehung einer Östrogendominanz oder eines relativen Progesteronmangels, kann vielfältige Ursachen haben. Vor allem in den großen hormonellen Übergangszeiten im Leben einer Frau – Pubertät, Schwangerschaft, Wechseljahre – kommt es vor, dass sich das prozentuale Verhältnis in der Produktion von Progesteron und Östrogen verschiebt. So zeigt sich ein Überschuss an Östrogen oft in der Pubertät, wenn der weibliche Zyklus noch nicht eingespielt ist.

Zudem kann eine Östrogendominanz den Beginn der Wechseljahre (Prämenopause) markieren. Denn wenn die Funktion der Eierstöcke allmählich nachlässt und der Progesteronspiegel mehr und mehr abfällt, bleibt die Östrogenproduktion weitestgehend gleich.

In dieser Phase kommt es immer häufiger zu Zyklen ohne Eisprung, sodass sich auch kein Gelbkörper – und damit nicht mehr genügend Progesteron bilden kann. Im Zuge dessen dominiert dann das Östrogen im Körper.

Was ein Progesteronmangel damit zu tun hat

Bei einer Östrogenzdominanz kann der Progesteronspiegel nicht mithalten, dadurch entsteht ein Mangelzustand an Progesteron. Ohne einen erhöhten Östrogenspiegel, wäre die Menge an Progesteron jedoch für den Körper ausreichend. 

Das ist bei einem absoluten Progesteronmangel anders. Progesteron wird vom Gelbkörper nach deinem Eisprung bzw. von der Plazenta innerhalb einer Schwangerschaft gebildet. 

Wenn du beispielsweise einen sehr langen Zyklus hast, könnte ein Mangel an Progesteron dahinter stecken. Von einem absoluten Progesteronmangel kann gesprochen werden, wenn durch das Absetzen hormoneller Verhütungsmittel dein körpereigenes Hormonsystem durcheinander gebracht wurde. Infolgedessen braucht der Körper ein wenig Zeit, um wieder Eisprünge auszulösen und Progesteron zu produzieren.

Unterschied zwischen einem relativen und einem absoluten Progesteronmangel

Symptome einer Östrogendominanz bei Frauen

  • Hitzewallungen
  • Brustspannen
  • Ödeme
  • Libidoverlust
  • Menstruationsstörungen
  • Stimmungsschwankungen
  • Erschöpfung
  • Zysten in Eierstöcken und Brüsten
  • Haarausfall
  • Häufige Kopfschmerzen
  • Fetteinlagerungen an Hüften, Gesäß und Bauch
  • Myome
  • Osteoporose
  • Krebserkrankungen

Symptome, die auch bei Männern in Erscheinung treten

Wusstest du das auch Männer weibliche Hormone haben? Östrogen und Progesteron werden auch im männlichen Körper produziert, allerdings in viel kleineren Mengen als bei uns Frauen.

Dennoch erfüllen die beiden Hormone auch bei der männlichen Fraktion wichtige Aufgaben: Östrogen beeinflusst die Körperfettzusammensetzung, den Knochenaufbau, den Hautstoffwechsel und das sexuelle Verlangen – dafür ist nicht nur das Testosteron zuständig!

Wie auch bei der Frau, sorgt das Progesteron für eine bessere Fruchtbarkeit des Mannes. Es bringt alle nötigen Prozesse ins Laufen, damit die Spermien schnellstmöglich bis zur Eizelle gelangen.

Fruchtbarkeit

Folgende Symptome einer Östrogendominanz können sowohl bei Männern als auch bei Frauen auftreten:

  • Schlafstörungen
  • Depressionen
  • Unruhe
  • Ängste
  • Schilddrüsenerkrankungen
  • Venenprobleme
  • Abwehrschwäche
  • Bluthochdruck

Ursachenforschung: Warum geraten Hormone aus dem Gleichgewicht?

Ist der Östrogenspiegel zu hoch und der Progesteronspiegel zu niedrig, befindet sich der Körper in einer Art Wachstumszustand.

Ursachen für den Überschuss an Östrogen können neben hoher Östrogen-Aufnahme auch Übergewicht, Stress, eine ungesunde Ernährung und ein schlechter Östrogenstoffwechsel sein.

Umweltgifte

Durch Umwelthormone wie Weichmacher in Plastikflaschen, hormonelle Rückstände im Trinkwasser oder auch Schwermetalle oder Pestizide in Nahrungsmitteln, kann deine körpereigene Hormonbalance durcheinander gebracht werden.

Wer beispielsweise zu viel Milch- und Fleischprodukte aus konventioneller Herstellung zu sich nimmt, konsumiert auf unnatürliche Weise viele Hormone. Denn in der konventionellen Haltung werden den Tieren für ein schnelleres Wachstum diverse Hormone verabreicht.

Indem du das Fleisch isst, gelangen diese Hormone in deinen Organismus und stören deinen Hormonhaushalt.

Absetzen der Pille

Auch das Absetzen der Pille ist häufig verantwortlich für eine Östrogendominanz. Die meisten Pillenpräparate enthalten synthetisches, also künstlich hergestelltes Östrogen und Progesteron (Progestin).

Diese Hormonersatzstoffe besetzen deine Rezeptoren und hemmen so die natürliche Hormonproduktion. Wenn du nun also die Pille absetzt, kann es zu einem Ungleichgewicht in deinem Hormonhaushalt kommen. Denn dein Körper war lange von Fremdhormonen dominiert und musste keine eigenen Hormone mehr herstellen.

Pille absetzen

Nach dem Absetzen schnellt unter anderem das Testosteron, das durch die Pille unterdrückt war, in die Höhe. Die Östrogene und das Progesteron bleiben niedrig, ein Eisprung findet dann meist nicht statt.

Damit der Prozess nach dem Absetzen wieder in den Gang kommt, brauchst du ein wenig Geduld. Der Weg zu einem gut funktionierenden und gesunden Zyklus mit ausbalancierten Hormonen, kann durchaus einige Monate in Anspruch nehmen.

Tipp: Möchtest du mehr zum Thema Pille absetzen erfahren? In unserem Artikel Pille absetzen leicht gemacht findest du mehr Informationen und hilfreiche Tipps.

Medikamente

Antibiotika, Cortison, Insulin und Psychopharmaka, Hormonspiralen, Magenpräparate, Betablocker, Blutdruckmittel und Cholesterinsenker – sie alle können deine Hormonbalance stören.

Ein Ungleichgewicht in deinem Mineralstoffhaushalt kann ebenfalls zu einem Zuviel an Östrogen führen. Ist zu viel Kupfer und zu wenig Zink vorhanden, ist der Östrogenspiegel häufig erhöht.

Bei zu wenig Natrium und Kalium können deine Nieren schnell erschöpft sein. Ist zu viel Kalzium vorhanden, arbeitet die Schilddrüse nur eingeschränkt. Dies zeigt wie wichtig es ist, den Körper mit ausreichend Mikronährstoffen zu versorgen.

Stress als Trigger

Wenn du über einen längeren Zeitraum gestresst bist, produziert dein Körper automatisch weniger Progesteron. Denn dein Reproduktionssystem ist so ziemlich das Erste was dein Körper “abschaltet”, wenn du dich in einem akuten Stresszustand befindest.

Achte deshalb darauf, dich regelmäßig zu entspannen und auch genügend zu schlafen. Gezielte Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation und Autogenes Training können dabei helfen, Stress zu reduzieren.

Tipps: Lese hier mehr über den Hormonspeicheltest Stress Plus und den Zusammenhang zwischen Stress und Hormonen.

Bauchfett als Gefahr

Die Fettzellen produzieren Östrogen. Je mehr Fett wir ansetzen, desto mehr Östrogen wird freigesetzt. Das sorgt gerade bei Frauen mit starkem Übergewicht häufig für einen Östrogenüberschuss.

Zum Vergleich: Eine 50-jährige Frau benötigt rund 400 kcal weniger als eine Frau, die sich in ihren Zwanzigern befindet. Besonders in den Wechseljahren setzt sich gern das eine oder andere Fettpölsterchen am Bauch an.

Um unangenehme Symptome zu vermeiden ist es für Frauen in den Wechseljahren deshalb ratsam, ihr Gewicht und auch den Östrogenspiegel im Auge zu behalten.


Östrogen und Progesteron testen

Wenn du deine Hormone testen lassen möchtest, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Dazu gehören unter anderem Urin-, Blut- und Speicheluntersuchungen. In einem Speicheltest kann neben dem freien, aktiven Östrogen (Estradiol) auch der Progesteronspiegel gemessen werden.

Warum sollte der Östrogenwert im Speichel getestet werden?

Das im Blut gemessene Östrogen und Progesteron ist an ein Protein gebunden und somit inaktiv. Deshalb kann eine Analyse des Blutes nur Näherungswerte aufweisen. Die aktive Form der Hormone lässt sich nur im Speichel messen.

Viele Studien zeigen, dass die Blutwerte oftmals im Normbereich liegen, während im Speichel deutlich höhere Werte gemessen werden. 1)

Tipp: Möchtest du gern mehr über die Testverfahren zur Bestimmung der Hormone wissen? In unserem Artikel Hormonstatus bestimmen: Blut-oder Speichel? findest du weiterführende Informationen.

Mit Detox deine Hormone zurück in Balance bringen

Um einem schlechten Östrogenstoffwechsel vorzubeugen oder ihn zu korrigieren, müssen die Entgiftungsorgane funktionstüchtig sein. Eine gesunde Leber unterstützt den Körper dabei, den Überschuss an Östrogen wieder zu senken.

Wenn du an einer Östrogendominanz leidest, solltest du vor allem gut auf Leber, Nieren und Darm achten und die Giftbelastung so gering wie möglich halten.

Vermeide deshalb:

  • viel Zucker und Alkohol
  • Umweltgifte, wie Hormone in Plastikflaschen
  • Übergewicht
  • Große Mengen tierischer Produkte

Selbst, wenn du einen sehr bewussten Ernährungs- und Lebensstil hast, ist es wichtig deinen Körper regelmäßig von schädlichen Stoffen zu befreien. Mit Hilfe einer sinnvollen Detox-Kur unterstützt du deine Zellerneuerung und Vitalität!

Eine Entgiftung und Entschlackung des Körpers kannst durch folgende Kuren anregen:

  • Regelmäßiges Heilfasten
  • Ayurvedische Entschlackungskuren
  • F.X. Mayr-Kur
  • Basenfasten
  • Saftfasten
  • Kräuterkuren mit Teemischungen
  • Homöopathische Behandlung

Die Leber als dein Entgiftungsorgan kannst du zum Beispiel mit Löwenzahn oder Mariendistel stärken. Eine Ausleitung der Giftstoffe über deine Nieren unterstützt du z.B. mit Goldrute, Brennnessel, Birke oder Schachtelhalm.


Welche Lebensmittel helfen bei Östrogendominanz?

Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Lebensmittel unsere Hormone beeinflussen. Wenn bei dir ein Verdacht auf zu viel Östrogen im Körper vorliegt, kannst du deinem Östrogenstoffwechsel mit der richtigen Ernährung auf die “Sprünge helfen”. Sind doch gute Nachrichten oder? Achte deshalb auf eine abwechslungsreiche Ernährungsweise, die deinen Körper nährt und das Progesteron steigert.

Gesunde Lebensmittel

In Pflanzen und natürlichen Lebensmitteln stecken so einige Hormone, die auf den menschlichen Organismus und den Hormonhaushalt einwirken. Einzelne hormonwirksame Nahrungsmittel können gezielt dabei unterstützen, das Hormonsystem wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Pflanzliche Lebensmittel und Kräuter bei Östrogendominanz und Progesteronmangel

Folgende Lebensmittel enthalten pflanzliches Progesteron und sind gut, wenn du deinen natürlichen Progesteronspiegel erhöhen und einer Östrogendominanz entgegenwirken möchtest:

  • Buchweizen, Erdnüsse, Hafer, Leinsamen, Reis, Sesam, Haselnüsse, Mandeln, Pistazien, Sonnenblumenkerne
  • Ananas, Bananen, Brombeeren, Datteln, Erdbeeren, Feigen, Kokosnuss, Papaya, Pfirsiche, Sauerkirschen, Wassermelonen, Zitronen, Zwetschgen
  • Alfalfa, Bohnen, Yamswurzel, Erbsen, Gurken, Karotten, Kartoffeln, Kürbis, Linsen, Mais, Mungobohnen, Sellerie, Soja, Spargel, Tomaten
  • Frauenmantel, Honigklee, Knoblauch, Kopfsalat, Küchenschelle, Meerrettich, Mönchspfeffer, Nachtkerze, Scharfgarbe, Wasserkresse, Weinrebe

Fettsäuren, DIM, Borretschöl, Ergänzungen und Mikronährstoffe (Mg)

Schlusswort: Östrogendominanz & Progesteronmangel

Wenn sich im Verhältnis zu viel Östrogen und zu wenig Progesteron in deinem Körper befindet, spricht man von einer Östrogendominanz. Zu viel Stress, ein schlechter Östrogenstoffwechsel und Übergewicht können zu einem Überschuss des weiblichen Sexualhormons führen.

Um dein Progesteron zu fördern und gleichzeitig deinen Östrogenstoffwechsel auf Trab zu bringen, kannst du einiges tun. Eine Anpassung der Ernährung, regelmäßige und schweißtreibende Workouts, Stressmanagement und guter Schlaf gehören genauso dazu wie die aktive Unterstützung deiner Entgiftungsorgane.

Wie FEMNA dir helfen kann

Es gibt einen Weg aus dem hormonellen Chaos und wir helfen dir dabei! Bist du unsicher, wie es um deine Hormone bestellt ist? Erkennst du dich in den Symptomen der Östrogendominanz und des Progesteronmangels wieder aber diagnostiziert wurde bisher noch nichts? Ein Hormontest könnte hilfreich sein, wenn es Symptome oder Beschwerden gibt, die auf ein Ungleichgewicht deines Hormonhaushaltes hinweisen.

Hormonspeicheltest

FEMNA hat es sich zur Aufgabe gemacht, dich genau dabei zu unterstützen. Wenn du unsicher bist welcher Test der Richtige für dich ist, nimm doch gern an unserem Hormontest – Fragebogen teil. Hier kannst du herausfinden, welcher Hormonspeicheltest für deine hormonelle Situation geeignet ist.

Hast du ein konkretes Problem mit deinem Zyklus oder eine Frage, die du schon länger mit dir “herumträgst”? Unsere zertifizierten Heilpraktikerinnen für Frauenheilkunde beraten dich ganzheitlich und feminin, selbstverständlich auch ohne Test.

Um schnell und unkompliziert einen Beratungstermin mit einer Expertin für Frauengesundheit zu vereinbaren, klicke hier. In einem persönlichen Gespräch kannst du all deine Fragen stellen und wir finden gemeinsam heraus, wie die nächsten Schritte aussehen. Wir freuen uns auf dich!

Quellenverzeichnis
  1. O’Leary P, Feddema P, Chan K, Taranto M, Smith M, Evans S. Salivary, but not serum or urinary levels of progesterone are elevated after topical application of progesterone cream to pre-and postmenopausal women. Clin Endocrinol (Oxf). 2000;53(5):615-620.[]
Über die Autorin
Recha Kühne

Recha Kühne ist angehende Heilpraktikerin und Yogalehrerin. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Medizinisch geprüft von Hannah Pehlgrimm, zertifizierte Heilpraktikerin für Frauenheilkunde und Autorin des Buches "Dein Zyklus-Buch — Period.", EMF Verlag.

Lerne die FEMNA Beraterinnen kennen

Gesundheitsberaterin Hiltraud
Hiltraud
Klöpperpieper
Heilpraktikerin für Frauenheilkunde
Gesundheitsberaterin Viktoria
Viktoria Klöpperpieper
Fachtherapeutin für Orthomolekulare Medizin
Gesundheitsberaterin Hannah
Hannah
Pehlgrimm
Heilpraktikerin für Frauenheilkunde
Frauen bewerten FEMNA
mit hervorragend
4.8/5