Unerfüllter Kinderwunsch: Die häufigsten Ursachen bei der Frau – Gelbkörpermangel & die Schilddrüse

Gelbkörperschwäche - eine häufige Ursache bei unerfülltem Kinderwunsch

Gelbkörpermangel

Das ersehnte Wunschbaby lässt leider sehr häufig auf sich warten und für viele Paare ist das Thema unerfüllter Kinderwunsch bittere Realität. Studien zufolge sind ca. 10 % der deutschen Bevölkerung zwischen 20 und 59 Jahren ungewollt kinderlos. Da viele Paare statistisch nicht erfasst sind, gehen manche Quellen sogar von 20 % aus. Wo liegen die Ursachen? Welche Möglichkeiten gibt es? Und warum fühlen sich dennoch so viele Paare mit diesem Thema allein gelassen?

Noch ein paar Fakten

Nur bei 30 % der Betroffenen liegen die Ursachen allein bei der Frau. Bei weiteren 30 % sind Mann und Frau gleichermaßen betroffen und bei 20 % aller Betroffenen liegen die Ursachen alleine beim Mann. Es lohnt sich also, beide Partner von Anfang an in die Ursachenforschung mit einzubeziehen. Und für die Mathematiker unter euch – bei sogar 20 % der Paare gibt es keinen erkennbaren körperlichen Grund für die Kinderlosigkeit. 

Auf Spurensuche im weiblichen Hormonsystem 

Das Zusammenspiel der Hormone im weiblichen Körper ist sehr fein, unterliegt häufigen Schwankungen und hängt von vielen Faktoren ab. Nicht nur die weiblichen Geschlechtsorgane haben Einfluss auf den Hormonstatus. Auch Schilddrüse und Nebenniere beeinflussen die hormonelle Situation und somit die Fruchtbarkeit in hohem Maße.

Für den Moment dreht sich jedoch alles um eines der wichtigsten Hormone im weiblichen Zyklus: das 

Gelbkörperhormon 

Das wichtigste Hormon unter den Gelbkörperhormonen (natürliche Gestagene) ist das Progesteron. Die lateinische Bedeutung des Namens gibt uns auch Aufschluss über die Aufgabe dieses Hormons. Es setzt sich nämlich zusammen aus „pro“ und „gestare“, was übersetzt so viel bedeutet wie „für das Tragen“. Das Progesteron ist also unverzichtbar wenn es darum geht, ein Kind auszutragen. Progesteron regt das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut an und ermöglicht so auch die Einnistung der befruchteten Eizelle. Progesteron ist auch dafür verantwortlich, dass die Körpertemperatur ansteigt und die Brustdrüsen sich verdichten.  

Wie wird Progesteron gebildet?

Kleine Mengen an Progesteron werden zum Beispiel in der Nebenniere gebildet. Doch der Löwenanteil wird von den Eierstöcken produziert. Grundvoraussetzung für die Bildung des Progesterons ist ein Eisprung. Denn während die Eizelle nach dem Eisprung ihre Wanderung durch den Eileiter aufnimmt, verbleibt die Eihülle im Eierstock und wandelt sich dort zum Gelbkörper um. Dieser Gelbkörper bildet dann die Gelbkörperhormone. Wird die Eizelle nicht befruchtet, fällt der Gelbkörperspiegel nach ca. 2 Wochen wieder ab und es kommt zur Monatsblutung. Wenn eine Schwangerschaft einritt, bildet der Gelbkörper auch nach dieser Zeit die erforderlichen Hormone, bis seine Aufgabe gegen Ende des dritten Schwangerschaftsmonats von der Plazenta übernommen wird. 

Damit ist ein Mangel an Gelbkörperhormonen nicht nur eine wichtige Ursache für eine ungewollte Kinderlosigkeit, sondern auch für eine frühe Fehlgeburt. 

Wie bemerke ich einen Gelbkörpermangel?

Ein Gelbkörpermangel äußert sich zum Beispiel durch Beschwerden in der zweiten Zyklushälfte wie:

  • schmerzende Brüste 
  • Stimmungsschwankungen
  • Zwischenblutungen oder Schmierblutungen vor Eintritt der Mens
  • verkürzte zweite Zyklushälfte 
  • langsamer oder „treppchenförmiger“ Anstieg deiner Basaltemperatur

Die Diagnose eines Gelbkörpermangels erfolgt aufgrund deiner Symptome und kann anhand von Speicheltests und Blutanalysen bestätigt werden. 

Wie du deinen Eisprung natürlich fördern kannst, erfährst du in diesem Artikel.

Was kannst du tun?

Schaffe beste Voraussetzungen und rege deinen Eisprung an. Denn nur wenn dein Eisprung gut ist, kann auch dein Gelbkörperhormon in ausreichenden Mengen gebildet werden. Alles was den Eisprung anregt, ist daher auch gleichzeitig eine vorbeugende Maßnahme gegen Gelbkörperschwäche.

Gelbkörperhormone natürlich stärken

Neben der Anregung des Eisprungs, gibt es auch einige Pflanzen, die den Gelbkörper auf natürliche Weise regulieren. Die zwei wichtigsten Vertreter sind:

Frauenmantel

Diese wunderbare Frauenpflanze wirkt gestagenartig, krampflösend und empfängnisfördernd, stärkt die Weiblichkeit, balanciert die Hormone aus und hilft auch vielen Frauen beim Ausgleich ihrer Stimmung. Da der Frauenmantel auch in der 1. Zyklushälfte hilfreich und eines der sanftesten pflanzlichen Mittel zur Hormonregulation ist, lohnt sich hier auch ein Selbstversuch mit Tees. Allerdings solltest du auch den Frauenmantel nicht länger als 6 Wochen und auch nicht mehr als 2 Tassen am Tag trinken.

Mönchspfeffer

Die Wirksamkeit des Mönchspfeffers in der Frauenheilkunde ist in klinischen Studien gut dokumentiert. Die Früchte des Mönchspfeffers gleichen hormonelle Schwankungen aus, normalisieren die Gelbkörperphase und hemmen den Prolaktinspiegel. Da der  Mönchspfeffer eine dämpfende Wirkung auf deinen Sexualtrieb haben kann, solltest du ihn nur umsichtig oder unter erfahrener Anleitung einsetzen. 

In Teemischungen für die zweite Zyklushälfte sollte auch die Schafgarbe nicht fehlen. Sie wirkt ebenfalls mild gestagenartig und ist vor allem auch bei übermäßigen Blutungen angezeigt. 

Neben den getrockneten Kräutern und der Anwendung in Teeform, gibt es auch viele Arzneimittel aus der Pflanzenheilkunde in Tabletten- oder Tropfenform. Auch aus dem Reich der Homöopathie und der anthroposophischen Medizin kommen zahlreiche Arzneien, die erfahrungsgemäß bei Gelbkörperschwäche angezeigt sind. Bei einer ausgeprägten Gelbkörperschwäche empfiehlt sich – natürlich nur nach einer Hormonbestimmung im Labor – der Einsatz von bioidentischem Progesteron.

Was hilft noch? 

Auch eine vollwertige Ernährung mit viel Gemüse und Obst sowie die Vermeidung von Milch, Zucker und Weißmehl tragen zu einem ausgeglichenen Hormonhaushalt bei. Ebenso wichtig sind essentielle Fettsäuren (Omega 3 und 6) und ein ausreichender Spiegel an D- und B-Vitaminen. Häufig hilft auch schon eine Leberkur dabei, die hormonelle Balance wieder herzustellen. 

Behandlungsansätze in der klassischen Medizin

In der gynäkologischen Praxis werden zur Behandlung einer Gelbkörperschwäche unter anderem Präparate aus synthetischem Progesteron – meist in Form von Tabletten – eingesetzt. Auch eine vaginale Substitution von Gestagenen – auch bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels – ist möglich.

Die Schilddrüse

Wenn die erwünschte Schwangerschaft auf sich warten lässt, empfehlen erfahrene Therapeuten die Untersuchung der Schilddrüsenwerte. Doch was hat die Schilddrüse eigentlich mit unserer Fruchtbarkeit zu tun? 

Die Schilddrüse stellt sich vor

Schöner wäre es eigentlich, sie würde Schmetterlingsdrüse heißen, hat die kleine hormonproduzierende Drüse doch beim Menschen die Form eines Schmetterlings. Sie wiegt durchschnittlich so um die 20 Gramm und doch geht in unserem Körper (fast) nichts ohne sie. Schilddrüsenhormone wirken unter anderem auf die Herzfrequenz und die Skelettmuskulatur. Sie steigern die Körpertemperatur und den Grundumsatz unseres Körpers und fördern das Gehirnwachstum und die Reifung; haben also direkten Einfluss auf die intellektuelle Entwicklung eines Menschen.  Damit nicht genug, die Schilddrüse hat einen maßgeblichen Einfluss auf unser Hormonsystem. Dazu nun mehr… 

Die Schilddrüse und ihr Einfluss auf die Fruchtbarkeit

Bei circa 10 % der Frauen ist für die ungewollte Kinderlosigkeit die Schilddrüse verantwortlich. Meistens ist eine Unterfunktion die Ursache, aber sowohl eine Unterfunktion (Hypothyreose), als auch eine Überfunktion (Hyperthyreose), beeinträchtigen die Libido, die Reifung der Eizelle und den Monatszyklus. 

Übrigens bewirkt eine Schilddrüsenunterfunktion auch bei Männern eine eingeschränkte Lust und Impotenz. Auch hier lohnt sich eine Untersuchung… 

Symptome einer Schilddrüsenerkrankung

SchilddrüsenunterfunktionSchilddrüsenüberfunktion
Gewichtszunahme trotz AppetitmangelGewichtsverlust trotz Heißhunger und vermehrter Nahrungsaufnahme
KälteempfindlichkeitErhöhte Körpertemperatur
VerstopfungDurchfall
MüdigkeitSchlafstörungen
Ausbleibende RegelblutungÜberstarke Menstruation
Trockenes, struppiges HaarDünnes, weiches Haar 
Psychische Veränderungen wie Müdigkeit, Verlangsamung, DepressionPsychische Veränderungen wie Rastlosigkeit, Nervosität, leichte Erregbarkeit 

Die Schilddrüse und ihr Zusammenspiel mit den weiblichen Hormonen

Es gibt nicht DAS weibliche Hormon, sondern mehrere Hormongruppen. Die wichtigsten Vertreter, nämlich Östrogene, Progesteron und das Prolaktin nehmen wir jetzt unter die Lupe.

Bevor im Körper Hormone ausgeschüttet werden, läuft im Hintergrund ein komplizierter Prozess ab. Laufend werden die Hormonkonzentrationen im Blut kontrolliert und bei einem Über- oder Unterangebot schütten die hormonellen Steuerorgane im Gehirn Botenstoffe aus, die zu einer Produktion von Hormonen, bzw. bei einem Überangebot, zu einem Produktionsstopp führen. 

Hier gibt es drei Hauptakteure – der Hypothalamus als oberste Instanz, die Hypophyse und die Zielorgane wie z.B. Schilddrüse. 

Bemerkt der Hypothalamus eine zu geringe Konzentration von Schilddrüsenhormonen im Blut, geht ein Befehl an die Hypophyse, das Zielorgan zur Hormonproduktion anzuregen. 

Das Prolaktin

Dieser Befehl an die Schilddrüse (TRH) bewirkt aber häufig nicht nur, dass die Schilddrüse die Hormone produziert, sondern regt auch die Produktion von Prolaktin an. Von einer Erhöhung des Prolaktinspiegels sind also vor allem Frauen mit einer Schilddrüsen Unterfunktion (auch Hashimoto) betroffen. 

Eine Erhöhung des Prolaktinspiegels kann zu veränderten Menstruationszyklen und auch zu Zyklen ganz ohne Eisprung führen. Aber – ohne Eisprung keine Schwangerschaft. 

Es gibt auch noch weitere Faktoren, die das Prolaktin erhöhen können, wie zum Beispiel anhaltender Stress, Schlaflosigkeit oder das Polyzystische Ovarialsyndrom. 

Die Östrogene

Es wird heutzutage viel über ein Zuviel an Östrogen – also eine Östrogendominanz gesprochen. Die Ursachen hierfür reichen von normalen Prozessen wie zum Beispiel vor den Wechseljahren, bis hin zu Umwelteinflüssen wie zum Beispiel in Weichmachern und auch der Nahrung. 

Eine Östrogendominanz äußert sich vor allem durch die PMS Symptome (Stimmungsschwankungen, Wassereinlagerungen, Brustspannen, starke Blutungen,…). Entscheidend zur Diagnostizierung einer Östrogendominanz ist nicht der reine Östrogen-Wert, sondern das Verhältnis zum Progesteron. 

Ein erhöhtes Östrogen kann zur Folge haben, dass die Schilddrüsen-Hormone stärker gebunden werden und weniger Hormone von der Schilddrüse freigesetzt werden, was wiederum in eine Schilddrüsenunterfunktion mündet.

Das Progesteron

In der zweiten Zyklushälfte ist das Progesteron das vorherrschende Hormon. Progesteron bereitet die Gebärmutterschleimhaut auf die befruchtete Eizelle und ihre Einnistung vor. Weitere Infos zum Progesteron findest du hier.

Ist das Progesteron zu niedrig, sind die Schilddrüsenhormone in ihrer Wirkung eingeschränkt. Außerdem gibt es einen deutlichen Zusammenhang zwischen einem Mangel an Progesteron und einer Hashimoto-Thyreoiditis (Schilddrüsenunterfunktion als Folge einer Autoimmunkrankheit). 

Fazit

Die Ursache für die ungewollte Kinderlosigkeit kann also zum Einen in einer bereits bestehenden Schilddrüsen Unter- bzw. Überfunktion bestehen, aber auch ein Ungleichgewicht der Sexualhormone kann eine Fehlfunktion der Schilddrüse bewirken, die sich wiederum ungünstig auf die Fruchtbarkeit auswirkt. Ein Kreislauf, der dringend unterbrochen werden sollte.

Was kannst du tun kannst

Wenn du Symptome einer Schilddrüsenerkrankung bei dir bemerkst oder seit Längerem erfolglos versuchst, schwanger zu werden, sprich mit deinem Arzt oder Heilpraktiker darüber.

Sinnvoll sind zunächst Laboruntersuchungen, bei denen die Werte TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon), T3 (Trijodthyronin) und T4 (Thyroxin) bestimmt werden. Sollten sich hier Auffälligkeiten ergeben, empfiehlt sich ein Ultraschall der Schilddrüse sowie weitere Blutuntersuchungen, z.B. auf Antikörper.

Die Therapie

Sowohl eine Unterfunktion als auch eine Überfunktion der Schilddrüse lassen sich mit Schilddrüsenhormonen gut einstellen und behandeln. Auch aus dem Reich der Heilpflanzen gibt es wirkungsvolle Unterstützung. Zudem können Gaben von Selen und Jod die Schilddrüsen Aktivität positiv beeinflussen. Da die Schilddrüse jedoch – einem Schmetterling gleich – sehr sensibel ist und sie so großen Einfluss auf den Körper hat, rate ich hier von Selbstversuchen ab. Suche dir einen Experten, der dich unterstützt. Es lohnt sich! 

Ein Wort zum Schluss

Die gute Nachricht ist, dass die Schilddrüse sehr gut zu therapieren ist. Selbst wenn du unter einer autoimmunen Schilddrüsen Erkrankung leidest, ist dies lediglich ein „kleines Steinchen“ auf dem Weg zu deinem Kinderwunsch. Suche dir professionelle Hilfe oder lass dich direkt bei uns beraten, welche Schritte in Frage kommen, um deine Schilddrüse bestmöglich zu unterstützen.

Bei Fragen rund um das Thema Kinderwunsch, Hormone und Gelbkörperschwäche, berät dich unsere Team der FEMNA-Expertinnen für Frauengesundheit gern!

Über die Gastautorin

Ines Hommels ist Heilpraktikerin und Fachtherapeutin für natürliche Frauenheilkunde. In ihrer Praxis in Hamburg betreut sie Frauen aller Altersklassen. Zu ihren Praxisschwerpunkten zählen unter anderem unerfüllter Kinderwunsch, Post Pill Syndrom und PCO. Ihre Liebe gilt der Pflanzenheilkunde. Auch Homöopathie, anthroposophische Medizin, Aromatherapie, TCM und bioidentische Hormone zählen zu ihren Therapieoptionen. 


Quellen:

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Link

https://www.netdoktor.at/familie/kinderwunsch/unerfuellter-kinderwunsch-ursachen-bei-der-frau-5359

Wenigmann, Margret. Phytotherapie: Arzneipflanzen, Wirkstoffe, Anwendung. Urban & Fischer im Verlag Urban & Schwarzenberg, 1999. 

FEMNA Gesundheitsberaterin Hannah Pehlgrim FEMNA Gesundheitsberaterin Viktoria Klöpperpieper
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