Wie chronischer Stress zu einer Nebennierenschwäche werden kann

Icon zur Demonstration von Stress

Viele Menschen erleben häufige Stresssituationen oder Phasen langen Dauerstresses als Teil ihres Alltags – bekannt ist hierbei die Folge eines Burnouts, weniger die der Nebennierenschwäche. Führt Stress anfänglich vor allem zu einer nervlichen Belastung, einer Minderung der Konzentrationsfähigkeit und Symptomen wie Spannungskopfschmerz, leidet mittelfristig der Schlaf und das allgemeine Energielevel. Langfristig können fast alle Körperbereiche durch Stress erkranken – vor allem das Verdauungssystem, sowie Herz- und Kreislaufsystem und auch das Hormonsystem.

Weniger bekannt sind die positiven Aspekte, die Ressourcen, die im Stress liegen. Außerdem reagiert nicht jeder Mensch genau gleich auf Stress. Die Abläufe im Körper zu kennen, die unter Stress eine Rolle spielen, kann helfen, einen konstruktiveren Umgang mit Stressauslösern zu entwickeln.

Welche Arten von Stress gibt es?

„Guter Stress” – Eustress

Wir steigen positiv ein und erläutern dir zuallererst Eustress. Als Eustress bezeichnet man „eine kurz andauernde physiologische Anpassung an alltägliche Anforderungen, die anregend und leistungssteigernd wirkt“ (Psychrembel). Eine vielseitige Herausforderung kann genossen werden – der berühmte Flow kennzeichnet das entsprechende Lebensgefühl: Zwar habe ich ein hohes Maß an Aktivität, bejahe sie aber, spüre mich intensiv und genieße die Intensität dieser Lebensphase. Eustress entsteht da, wo es mir gelingt, eine fordernde Situation nicht als Überforderung zu bewerten, sondern als Herausforderung. Ob ich den Stressauslöser als Gefahr ansehe, angesichts derer ich nur noch flüchten oder kämpfen kann, hängt also mit von meiner Perspektive ab. Statt des Gedankens „Ich habe nicht genug Ressourcen für diese Situation“, betrachte ich den Anlass selbst als Ressource – als eine Chance zum persönlichen Wachstum. Voraussetzung ist das Gefühl, selber zu agieren, anstatt nur zu reagieren.

Darüber hinaus ist es wichtig, zu erkennen, welche Ziele ich in der Stresssituation verfolge, die größer sind als ich selbst. Wenn ich von einem Arbeitstermin zum nächsten hetze, kann ich mir hier bewusst machen, wofür ich arbeite: Will ich auf eigenen Beinen stehen? Möglicherweise merke ich, dass ich meinen Kindern darin ein Vorbild sein möchte, auch anspruchsvolle Lebenssituationen zu meistern und finanziell unabhängig zu sein. So wird die in der Stressreaktion freigesetzte Energie tatsächlich zielgerichtet fließen – ich wachse in dem Moment über mich hinaus, weil es mir nicht mehr nur um mich geht. Bereits durchlebter und als positiv interpretierter Stress wirkt wie eine Lehrerfahrung auf unser Gehirn. Infolgedessen sind wir auf ähnliche Stresssituationen besser vorbereitet.

„Schlechter Stress” – Distress

Distress dagegen kommt zustande, wenn ein Ungleichgewicht zwischen äußeren Anforderungen und persönlichen Bewältigungsmöglichkeiten besteht. Die Anforderungen können nur schwer gemeistert werden und werden somit als Belastung wahrgenommen. Gehen diese über ein bestimmtes Anforderungsniveau hinaus, kann auch von „Toxischem Stress“ die Rede sein. Hierbei besteht der Stresszustand aus zwei Komponenten, dem Stressor und der Stressreaktion. Der Stressor wird als Reiz dargestellt, der als Anforderung empfunden wird. Hier existieren drei Unterkategorien:

1. Umweltstressoren wie hohe Anforderungen aus dem Umfeld

2. Psychische Stressoren wie kritische Lebensereignisse oder Zeitdruck

3. Physische Stressoren wie Schlafmangel oder Krankheit.

Die Stressreaktion stellt die spezifische Anpassungsreaktion auf den Stressor dar. Die akute körperliche Reaktion sieht dabei folgendermaßen aus: Bei Stress überwiegt die Aktivität des Sympathikus, einem Zweig unseres vegetativen Nervensystems. Anfangs führt das zu einer starken Stimulierung des Herz-Kreislaufsystems und der Muskulatur über die sogenannten Katecholamine Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin. Während Dopamin und Noradrenalin hauptsächlich als Neurotransmitter wirken, zählt Adrenalin außerdem zu den Hormonen. Stressauslösende Ereignisse setzen im zentralen Nervensystem zwei verschiedene Stressreaktionen in Gang: Die erste besteht in der Ausschüttung von Glucocorticoiden über die Aktivierung der HPA-Achse (deutsch: Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse). Dort werden am Ende der Reaktion Steroidhormone aus der Nebennierenrinde freigesetzt, wobei hier nur das wichtigste, natürlich vorkommende Glucocorticoid namens Cortisol erwähnt werden soll.

Von dieser ersten Stressreaktion merken wir in der akuten Stresssituation wenig. Doch das vom Sympathikus aktivierte Nebennierenmark setzt daraufhin die oben genannten Katecholamine Adrenalin und Noradrenalin frei, die bei der berühmten, aber terminologisch gesehen eher männlichen “fight-or-flight-response“ des Körpers mitwirken.

Wusstest du, dass bei weiblichen Säugetieren eher von “tend-and-befriend-response“ die Rede ist? Hier ist gemeint, dass weibliche Säugetiere bei Stressexposition sowohl dazu neigen, ihre Nachkommen zu beschützen (tend), als auch Schutz in der Herde zu suchen (befriend), was dazu führt, die folgende körperliche Stressreaktion herunterzufahren: Bei beiden biologischen Geschlechtern werden bei akutem Stress alle überlebenswichtigen Körperfunktionen aktiviert. Das Herz schlägt stärker und schneller, Skelettmuskulatur, Herz und Lungen werden mehr mit Blut und Sauerstoff versorgt, auf Kosten der Peripherie – Hände und Füße sind zunehmend kalt. Die Muskeln stellen vermehrt schnellen Zucker zur Verfügung, damit wir uns besser wehren können, Denkvorgänge werden schematisch und zielen auf’s Überleben: was für ein Aufgebot! So viel zur akuten körperlichen Stressreaktion.

Chronischer Stress und allostatische Last

Mittlerweile existiert eine präzisere Definition zu chronischem Stress, der seit 1993 eingeführte Term der „Allostatischen Last“. Als Allostase werden langfristige Anpassungsmechanismen des Organismus an chronische Belastungen bezeichnet. Wörtlich könnte man es mit „Erreichen von Stabilität durch Änderung” übersetzen, was sich in erster Linie auf die physiologische Stressantwort des Körpers auf einen vorübergehenden akuten Stressor bezieht. Der gesunde Körper kehrt mithilfe der Stressmediatoren zur Homöostase, dem Gleichgewicht zurück.

Vor allem im Englischen wurde der Begriff der „Allostatischen Überlast” (“allostatic overload”) in Korrelation zu chronischem Stress geprägt, um Doppeldeutigkeiten zu vermeiden. Damit nähern wir uns den langfristigen Auswirkungen von Dauerstress auf den Körper – es kann auch zu Abnutzungserscheinungen im Gehirn kommen.

Langzeitwirkungen von Dauerstress

Nebennierenschwäche oder Burnout

Dominiert während der akuten Stresssituation die Reaktion des Sympathikus, kennzeichnet bei Dauerstress die zweite Stressreaktion das Bild, die der Cortisolproduktion. Durch eine Dauerbelastung wird die Tages-Cortisolproduktion anfangs deutlich gesteigert, im Laufe der Zeit jedoch nimmt die Konzentration im Blut massiv ab. So kommt es, dass Cortisolmangel eine mögliche Folge von Dauerstress ist und insbesondere bei der Nebennierenschwäche mit Steigerung im Burnout-Syndrom beobachtet wird. Solch ein chronischer Cortisolmangel erhöht die Entzündungsbereitschaft und führt zu Mattigkeit und Antriebsschwäche.

Die Schulmedizin wird leider oft erst dann tätig, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, sprich wenn schwerwiegende Symptome den Alltag einer Patientin einschränken. Deshalb kennen die meisten SchulmedizinerInnen die umgangssprachliche Diagnose der Nebennierenschwäche nicht, sondern können meist nur etwas mit dem Term „Morbus Addison“ oder „Primärer Nebennierenrindeninsuffizienz“ anfangen. Hier kommt es zu einem signifikanten Cortisolmangel, dem Hypocortisolismus, was das einzig allgemein anerkannte Krankheitsbild mit den beschriebenen Symptomen ist. Wenn diese sehr seltene, aber schwerwiegende Erkrankung mit vollständigem Funktionsverlust der Nebennieren nicht behandelt wird, kann diese tödlich enden. Wer an Morbus Addison leidet, muss in der Regel bis ans Lebensende Corticosteroide einnehmen, um die Funktionen der Nebennieren aufrechtzuerhalten. Zum Glück tritt diese extreme Form der Hypoadrenie nur sehr selten auf; von 100.000 Menschen sind etwa vier Personen betroffen.

Das Wort „Hypoadrenie“ setzt sich zusammen aus dem griechischen Präfix hypo (unter, darunter) sowie den lateinischen Wörtern ad (zu) und ren (Niere). „Adrenal“ bedeutet so viel wie „die Nebenniere betreffend“. Also kann man Hypoadrenie mit mangelhafter Funktion der Nebennieren oder auch Nebennierenschwäche übersetzen. Ungefähr 70 Prozent der Krankheitsfälle beruhen auf einer Autoimmunschwäche, die anderen 30 Prozent haben andere Ursachen, unter anderem sehr starken Stress. Was in Arztpraxen allerdings oft nicht berücksichtigt wird, ist, dass chronischer Stress zu solch einem klinischen Erscheinungsbild der Hypoadrenie in milderer Form führen kann. Und da kommen wir von FEMNA in‘s Spiel. Wir haben es uns zur Herzensangelegenheit gemacht, nach und nach die Lücken zwischen Schul- und Alternativmedizin durch Aufklärungsarbeit zu schließen.

Was sind überhaupt die Nebennieren?

Spulen wir ein paar Schritte zurück: Die Nebennieren befinden sich auf den Nieren, in der Höhe der untersten Rippen, auf der Rückseite deines Körpers. Sie sind etwa so groß wie deine Daumen und haben eine ganze Menge zu tun. Die Nebennieren haben jeweils zwei Anteile: Im Inneren das Nebennierenmark, und außen die Nebennierenrinde. Im Nebennierenmark werden vor allem die Katecholamine Adrenalin und Noradrenalin gebildet und in der Nebennierenrinde vor allem die Hormone Aldosteron, Cortisol und DHEA (Dehydroepiandrosteron).

DHEA ist eine Ausgangssubstanz für die Sexualhormone. Auch hier kann es bei Dauerstress zu einem Mangel kommen, der sich unter anderem in Hauttrockenheit und in einer Abnahme der Libido manifestiert. Es wird angenommen, dass DHEA eine Erhöhung des Serotonin-Gehaltes bestimmter Hirnregionen herbeiführen kann. Auf diese Weise wirkt es motivierend und hat antidepressive Eigenschaften. Seine Abnahme kann deshalb auch Kräfteverfall, Müdigkeit, Antriebsschwäche, Muskelabbau, Gewichtszunahme, Einbußen in der geistigen Leistungsfähigkeit, Schlafstörungen und Depressionen nach sich ziehen.

Wenn deine Nebennieren gut funktionieren, schwanken deine Cortisolwerte im Laufe des Tages. Beim Aufwachen wird der Cortisolwert recht hoch sein, wodurch du dich aufmerksam fühlen wirst. Die Nebennieren sind lange in der Lage Cortisol in hohen Dosen bereitzustellen, bevor die Spiegel so stark abfallen, dass der Stress nicht mehr kompensiert werden kann. Auf lange Phasen der Überforderung kann eine Nebennierenschwäche folgen.

Symptome einer Nebennierenschwäche

Sypmtome bei einer Nebenierenschwäche

Eine Unterfunktion der Nebennierenrinde kann zu einer Vielzahl von Symptomen führen: Der Schlaf leidet, die Immunabwehr sinkt, Infekte nehmen zu und ziehen sich in die Länge. Die Konzentrationsfähigkeit ist herabgesetzt, Spannungskopfschmerzen können häufig auftreten und immer länger anhalten. Der Zyklus ist unregelmäßig, starke PMS-Beschwerden können dazu kommen oder die Blutung bleibt sogar ganz aus. Weiterhin kann eine Erschöpfung der Nebennieren auch Einfluss auf die Schilddrüse haben. Bei vielen Hashimoto-PatientInnen lässt sich eine funktionelle Störung der Nebennieren finden. Dazu kommt eine negative Grundhaltung, die bis zur Depression auswachsen kann – der Weg in einen Burnout. Das Problem ist, dass wir heute oft konstantem Stress ausgesetzt sind. Nicht nur bei der Arbeit, sondern auch in unserem gesamten Umfeld. Darum sind unsere Adrenalin- und Cortisolwerte dauernd aus dem Gleichgewicht, was dazu führt, dass unsere Nebennieren durch den ständigen Einsatz mürbe werden. Eine chronische Nebennierenschwäche manifestiert sich.

Bei Menschen, die an einer Nebennierenschwäche leiden, wird der Cortisolwert seinen Rhythmus verlieren. Häufig werden die Betroffenen dann spät am Abend richtig aktiv, während sie tagsüber sehr müde waren. Durch den gestörten zirkadianen Rhythmus des Cortisols entstehen häufig Einschlafprobleme und extreme Müdigkeit am Tag.

Hier eine kurze Checkliste für dich, um die typischsten Erstsymptome einer Nebennierenschwäche mit deinen Auffälligkeiten abzugleichen:

1. Schwierigkeiten, morgens aus dem Bett zu kommen: Vor 10 Uhr nicht richtig wach werden, wenig Energie am Nachmittag zwischen 15 und 16 Uhr, nach 18 Uhr und dem Abendessen folgt ein abendlicher Energieschub, deine aktivste Zeit des Tages

2. Verminderte Leistungsfähigkeit

3. Lethargie (Mangel an Energie): Die Bewältigung der täglichen Aufgaben erfordert eine größere Anstrengung

4. Ständige Müdigkeit trotz ausreichenden Schlafs: Am Morgen erfrischt zu sein, ist ein unbekannter Zustand für diejenigen, die an einer Nebennierenschwäche leiden

5. Verlangen nach Salz oder salziger Nahrung: Typisch für eine Nebenniereninsuffizienz mit Aldosteronmangel

6. Nachlassende Libido bei in Mitleidenschaft gezogenem DHEA

7. Höhere Stressanfälligkeit mit geringerer Toleranzschwelle: kleinere Dinge nerven, du neigst zu aufbrausendem Verhalten, es kann zwanghaftes Essverhalten oder Kettenrauchen dazu kommen

8. Verschleppte Krankheiten: du brauchst länger, um dich von einer Infektion, Verletzung oder einem seelischen Schock zu erholen

9. Schwindelgefühl nach schnellem Aufstehen

10. Depressive Phasen mit weniger Vergnügen oder Antrieb

11. Menstruationsbeschwerden

12. Verschwommene Gedanken: das Denken ist nicht mehr so fokussiert

13. Die Erinnerung funktioniert nicht mehr so gut

14. Die Symptome nehmen zu, wenn Mahlzeiten ausgelassen werden oder unzureichend sind. Du musst dich mit Snacks, Süßigkeiten oder Kaffee über Wasser halten.

Keines der hier aufgelisteten Symptome sagt für sich alleine stehend aus, dass eine Nebennierenschwäche vorliegt. Sollten aber viele dieser Anzeichen zutreffen, kann es durchaus der Fall sein. Wir neigen mit unserer existierenden Gesundheitsmentalität dazu, diese Alarmsignale als normal abzutun. Die Symptome einer Nebennierenschwäche müssen aber kein Bestandteil deines Alltags sein; es handelt sich hierbei um Warnzeichen, dass etwas nicht ganz so rund läuft, wie es sollte. Wir von FEMNA wollen dich in deiner Selbstwirksamkeit bestärken und nehmen dich gerne an die Hand, um dich auf dem Weg zurück zu deinem ganz individuellen Wohlbefinden zu begleiten.

Rushing Woman’s Syndrome

Den Begriff “Rushing Woman’s Syndrome” prägte eine australische Biochemikerin namens Dr. Libby Weaver erst im Jahre 2012. Hier wird auf ein weiteres, sehr wichtiges Hormon der Nebennieren eingegangen, dem Progesteron. Auch wenn dieses in weit höheren Mengen nach dem Eisprung vom Gelbkörper gebildet wird, gibt es hier einen ernst zunehmenden Zusammenhang von Dauerstress und unregelmäßiger Ovulation.

Hier muss ein weiterer Fachterminus genannt werden: Hypothalamische Amenorrhö, was bedeutet, dass keine Menstruation (mehr) stattfindet, was eine Ursache im Gehirn, genau genommen im Hypothalamus hat. Bei Dauerstress kommt es in der körperlichen Akutphase zu einem erhöhten Cortisolspiegel, auch Hypercortisolismus genannt. Durch einen negativen Feedback-Mechanismus hemmt das die GnRH-Produktion im Hypothalamus, was weitreichende Folgen auf die Hirnanhangsdrüse, die Hypophyse hat: Auch sie produziert keine Gonadotropine (LH/FSH) mehr, was in einen ausbleibenden Eisprung münden kann, womit auch kein Progesteron in ausreichender Menge mehr produziert wird. Somit kann chronischer Stress zu einem Progesteronmangel führen, was wiederum eng mit herabgesetzter Fruchtbarkeit assoziiert ist.

Ebenso kann ergänzend argumentiert werden, dass auch folgende Schritte zu einem Progesteronmangel führen können: Ansetzend bei der Steroidhormonsynthese kann bei chronischem Stress die Vorläuferstufe des Cortisols dazu abgerufen werden, vermehrt zu Cortisol umgewandelt zu werden. Leider handelt es sich bei der Vorläuferstufe ebenfalls um Progesteron, genau genommen um das 17α-Hydroxyprogesteron. Somit kommt es auch hier zu einem Progesteronmangel, was mit vielen weiteren Symptomen wie beispielsweise PMS vergesellschaftet sein kann.

Ursachen einer Nebennierenschwäche

Man sollte sich vor Augen führen, dass die Nebennieren organisch auf jede Art von Stress in gleicher Weise reagieren – ungeachtet dessen, was genau die Ursache ist. Das bedeutet, Stress kann physischer, emotionaler oder psychischer Natur sein, aber auch durch Umwelteinflüsse oder Infektionen bewirkt werden. Und vor allem durch eine Kombination all’ dieser Auslöser.

Den größten Stress verursachen einschneidende Lebensereignisse wie beispielsweise der Tod eines geliebten Menschen, ein schwerer Verkehrsunfall oder eine ernste Erkrankung. Aber Stress kann auch durch weniger Dramatisches entstehen, etwa durch einen hektischen Alltag, einen eiternden Zahn, sozialen Druck mit einer hohen Freizeitauslastung neben dem Job, einen Grippeanfall, einen langen und lauten Arbeitsweg, eine Schwermetallbelastung, durch extreme körperliche Anstrengung, einen heftigen Streit mit einem Menschen, der uns etwas bedeutet, eine schlechte Ernährung und so weiter.

Auch gibt es eine Ursache von Stress und hartnäckiger Nebennieren-Insuffizienz, die im Allgemeinen nicht wahrgenommen wird: akute und chronische Infektionen. Die Nebennierenschwäche wird oftmals durch Bronchitis, Lungenentzündung, Asthma, Sinusitis oder andere Infekte der Atemwege verstärkt. Je schlimmer die Infektion ist, je häufiger sie auftritt und je länger sie andauert, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Nebennieren etwas damit zu tun haben. Umgekehrt ist es auch so, dass Menschen mit einer schwachen Nebennierenfunktion besonders anfällig für Erkrankungen der Atemwege sind.

Was kann ich selbst tun? Lösungswege bei Nebennierenschwäche

Diagnostik

Wenn du die Gewissheit haben möchtest, dass eventuell auch auf laborparametischer Ebene etwas durcheinander geraten ist, kann mit einem Hormon-Speichel-Test ein Cortisol-Tagesprofil erhoben werden, das eine wichtige Rolle darin spielt, festzustellen, ob es bereits zu einer hormonellen Dysbalance gekommen ist. Es ist eine einfache, nicht invasive Entnahme, die von zu Hause aus möglich ist. Bei den Geschlechtshormonen und Cortisol sind Blutproben häufig nicht aussagekräftig, da diese nur die Gesamtkonzentration der Hormone anzeigen. Hormone sind häufig an Transportproteine gebunden. In einer solchen Form gebundene Hormone stehen dem Körper nicht zur Verfügung, egal wie hoch die Konzentration des Hormones im Blut auch erscheinen mag.

Im Speichel hingegen werden immer freie Hormone angezeigt, da die Speichelmembran die gebundenen Hormone nicht in den Speichel entlässt. Bei vielen Hormonen (Progesteron/Östrogen/Cortisol) sind Uhrzeit und/oder Zyklusstadium zu beachten. Diese Angaben werden bei Bluttests meist nicht berücksichtigt. Speichelproben werden mehrmals am Tag entnommen. Das gleicht Schwankungen aus, da Hormone nicht gleichmäßig über den Tag verteilt an das Blut abgegeben werden. Die Proben deines Hormonspiegels werden aussagekräftiger.

Zwischen dem 19. und 21. Zyklustag (6 Tage vor Eintritt der Blutung) entnimmst du an einem Tag morgens 3 Proben im Abstand von 30 Minuten. Wenn du keinen regelmäßigen Zyklus hast, nimm die Probe bitte – so weit erkennbar – in der 2. Zyklushälfte ab. Wenn du keinen Zyklus hast, nimm die Probe an einem beliebigen Tag ab.

Im Falle der sehr seltenen Addison-Krankheit ist die Nebennierenfunktion wie oben erläutert extrem niedrig und beim bislang noch nicht erwähnten Cushing-Syndrom extrem hoch. Die anderen 95 Prozent stehen für die enorme Variationsbreite der Nebennierenfunktion, die von den Ärzten in der Regel übersehen werden, weil die Werte nicht in die Kategorie „krank“ fallen. Viele Menschen mit einer leichten bis mittelschweren Hypoadrenie werden somit nie richtig diagnostiziert, denn ihre Testergebnisse fallen immer in den „normalen“ Bereich. Bei einem stark erhöhten oder erniedrigten Cortisol-Spiegel ist eine Behandlung anzuraten. Bioidentische Hormone oder pflanzliche Präparate kommen dann zum Einsatz, um die Funktion der Hormondrüsen zu regulieren.

Ernährung bei Nebennierenschwäche

Wenn du der Meinung bist, an einer Nebennierenschwäche zu leiden oder auch schon einen Nachweis in Form eines Hormon-Speichel-Tests erbracht hast, ist die Nahrungsaufnahme ein sehr wichtiges Thema. Es ist nicht nur entscheidend, was du isst, sondern auch wann du isst.

Ein niedriger Blutzuckerspiegel ist eine Situation, die die Nebennieren noch mehr auslaugt. Achte also darauf, dass dein Blutzuckerspiegel nicht zu stark abfällt. Vitalstoffreiche Nahrung in häufigen, festen Zeitabständen kann hierbei sehr hilfreich sein. Vielleicht bist du in deinen Symptomen der Hypoadrenie auch schon so weit vorangeschritten, dass du unter Schlafproblemen leidest.

Wenn du häufig zwischen 1 und 3 Uhr aufwachst, verfügt die Leber möglicherweise nicht über genügend Glykogen, das notwendig ist, damit die Nebennieren die Glukosemenge im Blut während der Nacht konstant halten können. Der Blutzucker ist in den frühen Morgenstunden normalerweise niedrig, aber wenn du dann noch unter Nebennierenschwäche leidest, kann der Blutzuckerspiegel so stark sinken, dass Symptome einer Hypoglykämie (niedriger Blutzucker) dich aufwecken.

Um diesen Symptomen entgegen zu wirken, kannst du vor dem Schlafengehen ein oder zwei Bissen von einem proteinreichen Snack zu dir nehmen. Außerdem kann es bei Nebennierenschwäche von enormer Hilfe sein, vor 22:30 Uhr im Bett zu sein und bis 9:00 Uhr zu schlafen. Der Schlaf bis 9:00 Uhr ist für die Nebennieren sehr erholsam.

Kräuter, die dich unterstützen können

Es gibt auch einige Kräuter, die die Genesung bei Nebennierenschwäche fördern. Hier findest du die 5 Kräuter, die die Nebennierenfunktion am besten unterstützen:

1. Süßholzwurzel (Glycyrrhiza glabra). Die Zutat, aus der Lakritz gemacht ist, ist ein Antistressmittel, das die Energie, Ausdauer und Vitalität erhöht. Es hebt den Cortisolspiegel auf natürliche Weise an und mildert indes Symptome einer Unterzuckerung, was ein weitverbreiterter Nebeneffekt von Hypoadrenie ist.

2. Schlafbeere (Withania somnifera): Die Schlafbeere oder Winterkirsche (Ashwagandha) ist ein uraltes indisches Kraut, das auch als Verjüngungsmittel und leichtes Aphrodisiakum bekannt ist. Die Schlafbeere gilt als Adaptogen, das bedeutet, dass sie dem Körper hilft ins Gleichgewicht zu kommen. Wenn der Cortisolspiegel beispielsweise zu hoch ist, senkt sie ihn, wenn er zu niedrig ist, steigert sie ihn.

3. Sibirischer Ginseng (Eleutherococcus senticosus): Sibirischer Ginseng, der nicht aus Sibirien kommt und eigentlich gar kein Ginseng ist, erhöht die Widerstandsfähigkeit gegen Stress und unterstützt die Nebennierenfunktion. Er wirkt geistiger Müdigkeit entgegen und erhöht das körperliche Durchhaltevermögen.

4. Ingwer (Zingiber officinale): Ingwer ist ein weiteres Adaptogen und unterstützt den Körper dabei, den Cortisolspiegel zu regulieren sowie die Ausschüttung von Verdauungsenzymen für Proteine und Fettsäuren anzuregen. Ingwer hilft sehr gut gegen Übelkeit und wird traditionell bei morgendlichem Erbrechen in der Schwangerschaft empfohlen.

5. Ginkgoblätter (Ginkgo biloba): Wenn die Nebennieren angespannt sind, leiden diese stark unter oxidativem Stress. Dies führt zu einem deutlichen Anstieg der freien Radikale, wodurch sich die Produktion von Hormonen in den Nebennieren verlangsamt und auch die Nebennierenzellen in Mitleidenschaft zieht. Ginkgo ist ein starkes Antioxidans, das die Produktion freier Radikale verringert und außerdem Bioflavonoide enthält, die für einen verbesserten Blutfluss sorgen.

Welcher Stresstyp bin ich?

Abschließend sei auch noch das Mindset nicht außer Acht gelassen. Auch wenn im Körper die gleichen Vorgänge ablaufen, reagiert nicht jeder Mensch mit dem gleichen Verhalten auf Stress. Die individuelle Reaktion auf eine Stresssituation ist abhängig von der Persönlichkeit (Veranlagung und Prägung). Werfen wir also einen Blick auf die unterschiedlichen Reaktionsmuster der verschiedenen Stresstypen. Du könntest dir deinen Umgang mit Stress bewusst machen, dazu gibt es eine Einteilung zu den drei verschiedenen Stresstypen:

Stresstyp 1: Kontrolle

Der erste Typ neigt dazu, in die Kontrolle zu gehen, wird zunehmend hyperaktiv und tendenziell aggressiv. Unter Stress steigert sich der hohe Anspruch an sich selbst, meist gepaart mit einem abnehmenden Vertrauen in die Außenwelt. Unbewusst dominiert nun die Vorstellung, dass auf andere Menschen wenig Verlass ist und eigentlich nur man selbst die Sachen richtig hinkriegen kann, nach dem Motto „mache ich es nicht, macht es niemand.“

Diese Tendenzen führen zu einer EinzelkämpferInnenhaltung, in der das Risiko der Erschöpfung liegt. Hält ein Stresszustand über längere Zeit an, neigen diese Menschen zu Auszehrung.

Der Kontrollierende geht nicht zwangsläufig in die soziale Isolation. Er kann berufliche und auch persönliche Kontakte unter Stress durchaus aufrecht erhalten, neigt aber dazu, weniger mitfühlend im Umgang mit anderen und sich selbst zu sein. Eine Tendenz zur Bewertung und Beurteilung tritt in den Vordergrund.

Lösungsansätze für Stresstyp 1

Wenn du zu Typ 1 zählst, empfehlen wir, regelmäßige Pausen fest in deinem Alltag zu verankern und deine Selbstwahrnehmung zu schulen. Möglicherweise hast du Angst vor der Leere, die zwischen Aktivitäten vorerst auftritt. Die Forscher vom Heart Math Institut raten zu folgendem: Jedes Mal, wenn ich realisiere, dass mich etwas gestresst hat, 

1. Halte ich kurz inne

2. Atme ich 3x tief durch und lenke meine Aufmerksamkeit zum Herzen (evtl. Hand auf Brust legen)

3. Denke ich an eine Zeit in meinem Leben, die ich mit Gelassenheit oder Freude assoziiere

4. Frage ich innerlich mein Herz: „Was ist der beste Umgang mit dieser Situation – ein Umgang, der mir hilft, zukünftigen Stress zu vermeiden?“

5. Schließlich warte ich auf die Antwort meines Herzens.

Das erfordert, dass ich mit mir in Kontakt bleibe. Es kann passieren, dass sich die Spannung im Bauch löst oder die Schultern sinken. Mit etwas Übung dauern diese 5 Schritte nur wenige Minuten.

Stresstyp 2: Lähmung

Diesen Stresstyp kennzeichnet unter akutem Stress eher die Lähmung. Der Kopf ist leer, das Gefühl der Handlungsunfähigkeit steht im Vordergrund, eine innere Erstarrung.

Dahinter steht ein Grundgefühl von Ohnmacht: „Ich kann sowieso nichts verändern!“

Der Zugang zum eigenen Körper ist während der Stresssituation wenig ausgeprägt. Angst dominiert – häufig über die akute Situation hinaus – in Form einer allgemeinen Lebensangst. Auch das Phänomen der Prüfungsangst ist häufig ausgeprägt. Der Gelähmte kann sich nur schwer vorstellen, selber etwas bewirken oder verändern zu können – mit jeder Stresserfahrung traut er sich weniger zu. 

Nach außen muss das allerdings nicht so aussehen. Möglicherweise verdrängt er seinen Stress und wirkt ruhig und unauffällig auf seine Umgebung. Lähmung ist die vornehmliche Reaktion: Er steigt innerlich einfach aus.

Lösungsansätze für Stresstyp 2

Erkennst du dich eher in Typ 2 wieder, versuche dich während einer stressauslösenden Situation mit deinem Körper zu verbinden, Hände oder Füße zu spüren, den Atem im Bauchraum wahrzunehmen, um auf diese Weise immer wieder in die Gegenwart zurückzukehren.

Mit der Zeit kann daraus ein Bodyscan werden, den du täglich durchführst: Du spürst alle Körperbereiche jeweils für einige Sekunden und lässt unnötige Spannung los. Ist diese Übung auf deinen Körper übergegangen, kann sie – in Kurzform – ein wichtiges Werkzeug sein, um die lähmende Wirkung von Stress abzubauen. Ein Wechsel aus Anspannung und Entspannung kann sehr hilfreich sein – vielleicht kennst du ja die progressive Muskelanspannung nach Jacobsen?

Außerdem solltest du dir der hohen Ansprüche an dich selbst bewusst werden, mit denen du möglicherweise rumläufst. Manchmal kann eine gute Coaching-Einheit oder therapeutische Unterstützung diesen Vorgang erleichtern.

Stresstyp 3: Isolation

Ein dritter Stresstyp zieht sich bei Stress von sozialen Kontakten zurück. Freunde hören dann oft wochenlang nichts mehr von ihm, Familienmitglieder kommen nicht mehr an ihn ran. Wut und Überforderung werden gegen sich selbst geleitet – der Stress fließt nach innen. 

Überessen kann eine Taktik dieses Typs sein. Kontakte zu langjährigen FreundInnen schlafen ein und er bleibt oft über Tage hinweg alleine.

Versucht der erste Typ in die Kontrolle zu gehen, neigen die beiden anderen also zu Vermeidungsstrategien: der erste bezüglich der Stresssituation, der zweite im sozialen Bereich.

Natürlich handelt es sich um Tendenzen – die meisten von uns sind Mischtypen. Jede dieser Strategien aber führt auf lange Sicht zu einem mehr oder weniger hohen Leidensdruck.

Lösungsansätze für Stresstyp 3

Hast du eine Tendenz zum dritten Typ, ist es empfehlenswert, deine sozialen Kontakte zu pflegen. Triff dich regelmäßig mit FreundInnen und sprich mit ihnen ehrlich über das, was dich beschäftigt. 

Wichtig ist auch dein Umgang mit Zeit. Solltest du das Gefühl haben, nicht über genug Zeit zu verfügen – dann schenke anderen achtsam und bewusst von deiner Zeit. So paradox das klingen mag, es hilft. Sei es ein ehrenamtliches Engagement, der Besuch einer Nachbarin oder einfach nur das Gespräch mit einem Menschen auf der Straße. Das, was dir auf den ersten Blick fehlen mag, kommt in potenzierter Form zu dir zurück.

Auch ein Haustier oder überhaupt Tiere zu streicheln, kann sehr entlastend sein. Nachweislich setzt das nämlich Oxytocin frei, welches im Körper zu einem Gefühl der Geborgenheit und Zufriedenheit führt und Ängste und Anspannungen vermindert.

Natürlich können alle 3 Typen davon profitieren, sich ihre Ängste bewusster zu machen: Jenseits der akuten Stresssituation darüber zu schreiben, was dir Angst macht/dich bedrückt, wäre ein erster Schritt, z.B. mithilfe eines Dankbarkeitstagebuchs.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich vieles tun, um Stress vorzubeugen, selber abzubauen oder in Eustress umzuwandeln, der natürlich besonders leicht entsteht, wenn ich meinen Leidenschaften folge oder zumindest einen Sinn für mich in der stressreichen Situation finde. Sollte Dauerstress mich hormonell aus der Balance geworfen haben, lässt sich parallel eine vorübergehende Behandlung auf naturheilkundlicher Basis empfehlen.

Quellen

  1. McEwen BS. Stressed or stressed out: What is the difference?. J Psychiatry Neurosci. 2005;30(5):315-318.
  2. McEwen BS. Neurobiological and Systemic Effects of Chronic Stress. Chronic Stress (Thousand Oaks). 2017;1:2470547017692328. doi:10.1177/2470547017692328
  3. Wilson, Dr. med. James L. Grundlos erschöpft? Nebennieren-Insuffizienz – das Stress-Syndrom des 21. Jahrhunderts. Goldmann, 2011.
  4. Northrup, Dr. Christiane. Frauenkörper–Frauenweisheit. Wie Frauen ihre ursprüngliche Fähigkeit zur Selbstheilung wiederentdecken können. Zabert Sandmann, 2017.
  5. Weaver, Libby. Rushing Woman’s Syndrome: The Impact of a Never-ending To-do List and how to Stay Healthy in Today’s Busy World. Hay House, Inc, 2017.
  6. Schmid-Bode, Wilhelm. 4 Stresstypen und vier Wege zur Gelassenheit. Gräfe und Unzer, 2004.
Über die Autorin
Melanie Drewes

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