Die Schilddrüse – Unsere Schmetterlingsdrüse

Erstaunlich, was dieses unscheinbare Organ die Schilddrüse alles leistet. Nach Bedarf reguliert es die Leistungsfähigkeit des ganzen Körpers.

Aufgaben

Die Aufgabe der Schilddrüse ist unter anderem die Produktion und Freisetzung der beiden Schilddrüsenhormone T3 (Trijodthyronin) und T4 (Tetrajodthyronin oder Thyroxin).

Produktion und Freisetzung der Schilddrüsenhormone werden durch die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) und eine weitere Region im Gehirn reguliert, die als Hypothalamus bezeichnet wird. Dazu überwachen die beiden Kontrollregionen den Hormonspiegel im Blut. Sinkt dieser ab, gibt die Hypophyse den Botenstoff TSH ab, der in der Schilddrüse eine verstärkte Hormonfreisetzung bewirkt. Übersteigt der Spiegel der Schilddrüsenhormone hingegen den Normalwert, hält die Hypophyse weiteres TSH so lange zurück, bis wieder normale Hormonverhältnisse hergestellt sind.

Funktion

Schilddrüsenhormone wirken vor allem auf:

  • Herzaktivität und Blutdruck
  • Energiestoffwechsel, Körpergewicht
  • Beeinflussen zahlreiche Körperfunktionen
  • Kohlehydratstoffwechsel, Insulinproduktion, Energieverbrauch, Regulation der Körperwärme
  • Fett- und Eiweißstoffwechsel, Cholesterinwerte
  • Gehirnaktivität, Psyche
  • Muskelstoffwechsel, Muskelkraft
  • Darmtätigkeit, Verdauung
  • Wohlbefinden, die Sexualität sowie, insbesondere bei Kindern, die körperliche und geistige Entwicklung.

Vereinfacht ausgedrückt, wirken Schilddrüsenhormone wie das Gaspedal unseres Körpers: Bei einem zu viel an Hormonen (Hyperthyreose) laufen Körper und Seele „zu hoch“, bei zu wenig Hormonen (Hypothyreose) entsprechend „zu wenig“.

Fakten

  • 20 Gramm leicht 
  • Sitzt am Hals unterhalb des Kehlkopfes 
  • Wird auch Glandula thyreoidea oder Thyreoidea genannt
  • Eine Studie hat ergeben, dass sich bei einem Drittel der erwachsenen Menschen in Deutschland krankhafte Veränderung an der Schilddrüse nachweisen lassen, von denen sie bisher nichts wussten. 
  • Schilddrüsenerkrankungen stehen an fünfter Stelle der häufigsten Diagnose
  • 15-20% der Deutschen haben eine Schilddrüsenvergrößerung infolge eines Jodmangels.
  • 2-3% leiden unter einer manifesten Schilddrüsenunterfunktion, meist bedingt durch die Autoimmunerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis 
  • Bei 10% lassen sich im Blut Antikörper gegen Schilddrüsenenzyme nachweisen, die zu einer  Hashimoto-Thyreoiditis führen können
  • 90% aller Schilddrüsenerkrankungen betrifft Frauen
  • Jeder Vierte hat Knoten in der Schilddrüse – oft aber ohne Krankheitswert. 

Probleme

Im Großen und Ganzen gibt es fünf Hauptprobleme der Schilddrüse 

1: Schilddrüse produziert zu wenige Schilddrüsenhormone 
2: Schilddrüse produziert zu viele Schilddrüsenhormone 
3: Das Immunsystem erkennt die Schilddrüse nicht als wichtiges körpereigenes Organ und versucht, sie zu zerstören.
4: Die Schilddrüse vergrößert sich unnatürlich und wird zu einem Kropf (Struma) – dieser kann mit einer normalen Schilddrüsenfunktion einhergehen oder auch mit einer Über -oder Unterfunktion von Schilddrüsenhormonen. 
5: Die Schilddrüse entwickelt Knoten. Diese werden oft zufällig bei einer Untersuchung entdeckt und sind meistens harmlos. Sie können aber auch Beschwerden verursachen, selten stecken entartete Schilddrüsenzellen hinter einem Knoten.

Wusstest du, dass…

Pro Minute 5 Milliliter Blut durch 1 Gramm Schilddrüsengewebe fließt? Die Durchblutung ist also doppelt so stark wie der unserer Niere. Selbst unter Belastung erhält unser Herz nur etwa 4 Milliliter Blut pro Gramm Gewebe. Muskeln und Gehirn werden sogar mit lediglich 0,6 Milliliter Blut abgespeist.

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion steigt der Blut- und Energiebedarf des Gewebes sogar auf ein Vielfaches an.

infografik über Blut und die Schilddrüse und der Funktion von FEMNA

Schilddrüsen Laborwerte

TSH – Thyreotropin  = Ist ein Steuerungshormon. Es wird von der Hirnanhangsdrüse abgegeben, um die Schilddrüse anzuregen, Schilddrüsenhormone zu produzieren. Ist der Schilddrüsenhormonspiegel hoch, wird durch einen Regelkreis die TSH-Ausschüttung gebremst. Sind wenige Schilddrüsenhormone im Blut, kurbelt das die Bildung von TSH an. Deshalb liefert der TSH-Wert wichtige Informationen über Zustand und Informationen über Zustand und Funktionen der Schilddrüse und deren Arbeit. In der Regel bedeutet ein niedriger TSH-Wert, dass die Schilddrüse zu viele Hormone produziert. Das könnte ein Hinweis auf eine Überfunktion sein. Ein hoher TSH-Wert spricht häufig für eine zu geringe Freisetzung der Schilddrüsenhormone und demnach meistens für eine Unterfunktion.

T3 – Trijodthyronin = ist die aktive Form der Schilddrüsenhormone. Nach ca. 24 Stunden ist die Hälfte dieses Hormons abgebaut. T3 ist im Blut zu 99% an Transporteiweiße (TBG) gebunden. T3 steigert die Insulinfreisetzung und kurbelt den Energieverbrauch an. Für die Produktion von T3 benötigt unsere Schilddrüse Jod. Fehlt dies, kann sich unsere Schilddrüse zunächst  vergrößern und auf Dauer leidet unsere Hormonproduktion darunter.

T4 – Thyroxin  = ist das wichtigste Schilddrüsenhormon und stellt die Speicherform dar. Nach etwa einer Woche ist die Hälfte dieses Hormons abgebaut. Der T4-Speicher reicht aus, um den Körper etwa 10 Monate lang mit Energie zu versorgen. T4 ist im Blut zu 99,9% an Transporteiweiße (TBG) gebunden. Auch T4 kann nicht ohne ausreichend Jod hergestellt werden. 

fT3 = ist das freie, also nicht an Transporteiweiße gebundene, Form des T3. fT3 ist der eigentliche wirksame Botenstoff, der in der Zelle seine Wirkung entfalten kann. Um Auskunft über die Funktion der Schilddrüse und den Stoffwechsel der Hormone zu bekommen, ist es sinnvoll, den fT3-Wert zu bestimmen. Nur etwas 0,3% des T3 liegen in dieser freien (fT3) Form vor.

fT4 = ist das freie, also nicht an Transporteiweiße gebundene, Form des T4. Im Rahmen der Labordiagnostik einer Schilddrüsenerkrankung sollte auch der Spiegel des fT4 bestimmt werden. Nur etwas 0,3% des T4 liegen in dieser freien (fT4) Form vor.

Hashimoto – Thyreoiditis 

Hashimoto – Thyreoiditis, auch Autoimmunthyreoiditis oder chronische Schilddrüsenentzündung genannt, wird in wischen immer häufiger diagnostiziert. Ärzteverbände schätzen die Zahl auf mehr als 8 Millionen. 

Hashimoto ist der häufigste Grund für eine Schilddrüsenunterfunktion. Da die Zerstörung der Schilddrüse nicht schlagartig erfolgt, sondern ganz allmählich über Monate und Jahre, setzten auch die Symptome schleichend ein. Das ist wahrscheinlich die größte Hürde für eine frühe Diagnose. Das Problem ist, dass Symptome wie  Müdigkeit, strohige Haare, trockene Haut, Schwäche , Verstopfung, Kälteüberempfindlichkeit, 

Abgeschlagenheit, Stimmungsschwankungen Depressionen usw. von allen  Möglichen Erkrankungen oder stressbedingten Lebensphasen kommen können. Nicht sofort denkt man an eine Schilddrüsenerkrankung. Bei einer Hashimoto ist die Schilddrüse chronisch entzündet und der Körper bildet Antikörper gegen die Schilddrüse. Es greift “irrtümlich” das Gewebe der Schilddrüse an und schädigt es. So kommt es zu einer entzündungsartigen Reaktion, aus der im weiteren Verlauf kurzfristig eine Schilddrüsen-Überfunktion entstehen kann. In den meisten Fällen entsteht aber letztendlich eine Unterfunktion, da das Schilddrüsengewebe nach und nach zerstört wird.
Die genaue Ursache für diese chronische Entzündung ist bislang nicht bekannt. 

Quellen:

Buch Prof. Dr. Michaela Axt-Gadermann “Power für die Schilddrüse”

Endokrinologie, Prof. G.A. Spinas , Prof. Ph. U. Heitz

Prof. Dr. med. Henri Wallaschofski, Erfurt