Endometriose – was hinter starken Unterleibsschmerzen stecken kann

Schmerzen bei Endometriose

Plagen dich regelmäßig starke Schmerzen während deiner Menstruation oder sogar unabhängig davon und nichts scheint zu helfen? Eine mögliche Ursache dafür könnte Endometriose sein.

In Deutschland erkranken ca. 10-15% aller Frauen im Laufe ihres Lebens an Endometriose – das stellt die zweithäufigste gynäkologische Erkrankung dar.1 Neben vielfältigen körperlichen Symptomen, stellt dies eine enorme psychische Belastung für Frauen dar.

FEMNA erklärt dir in diesem Artikel, was sich hinter dem Krankheitsbild der Endometriose verbirgt und zeigt dir, wie du deinen Körper ganzheitlich und mit Mitteln aus der Natur unterstützen kannst.

Was ist Endometriose?

Die Endometriose zählt zu den häufigsten Unterleibserkrankungen bei Frauen. Dabei finden sich Zellen, die deiner Gebärmutterschleimhaut (Endometriumzellen) sehr ähnlich sind, nicht nur in der Gebärmutter selbst, sondern in den verschiedensten benachbarten Strukturen und Organen. Diese Ansammlungen bezeichnet man als Endometriose-Herde. Je nach dem, wo sich diese ansiedeln, unterscheidet man verschiedene Unterarten des großen Krankheitsbildes:

mögliche Endometriose-Herde
© W&B/Martina Ibelherr

Innere (genitale) Endometriose: Bei dieser Art befinden sich endometriumähnliche Zellen zwar noch innerhalb der Gebärmutter, aber in anderen Gewebsschichten. So beispielsweise in der Muskelschicht (Myometrium) oder am Abgang der Eileiter.

Bei der äußeren (genitalen) Endometriose ist endometriumähnliches Gewebe schon außerhalb der Gebärmutter verstreut und finden sich in anderen weiblichen Geschlechtsorganen oder zugehörigen Bandstrukturen. Am häufigsten sind dabei die Eierstöcke oder das sogenannte Sakrouterine-Band – ein Aufhängeapparat deiner Gebärmutter – betroffen. Aber auch Eileiter, Vagina oder Vulva können beteiligt sein.

Dann gibt es noch die extragenitale Form der Endometriose, bei dieser sich Endometriose-Herde außerhalb deiner Geschlechtsorgane ausbreiten und beispielsweise in Harnblase, Darm oder Bauchnabel verstreut sind. Extremfälle dieser Endometriose-Form zeigen endometriumähnliche Zellen sogar in der Lunge oder dem Gehirn.

Allen Formen gemein ist, dass sich die “verschleppten” Endometriumzellen größtenteils wie die Gebärmutterschleimhautzellen hormonabhängig verhalten. Das bedeutet: Sie proliferieren in der ersten Zyklushälfte, um bei nicht eingetretener Schwangerschaft am Ende wieder abgestoßen zu werden. Das Problem bei den Zellen der Endometriose-Herden ist aber, dass diese nicht einfach wie das Menstruationsblut über die Vagina abfließen können.

Bei vielen Frauen kann diese Blutansammlung problemlos resorbiert, also vom umliegenden Gewebe aufgenommen und abgebaut werden. Bei einigen kann diese überschüssige Flüssigkeitsansammlung aber zu Verklebungen, Zystenbildung (sogenannte Schokoladen-Zysten) oder Entzündungen führen. Das kann vor allem bei äußeren Endometriose-Herden auftreten.

Symptome und Folgen von Endometriose

Je nach dem, wo sich die Endometriose-Herde finden, können diese zu den unterschiedlichsten Symptomen führen.

Zu unterscheiden sind zyklusabhängige und -unabhängige Symptome. Zyklusabhängig sind vor allem starke Menstruationsschmerzen (auch als Dysmenorrhö bezeichnet) sowie Unregelmäßigkeiten im Zyklus. Dazu zählen Zwischenblutungen, Schmierblutungen oder eine verstärkte bzw. verlängerte Periode.

Bei der zyklusunabhängigen Ausprägung dagegen kann es zu jedem Zeitpunkt zu extrem starken Unterleibsschmerzen kommen, vor allem wenn sich Zysten oder Verwachsungen im Bauchraum gebildet haben. Bei betroffener Harnblase berichten Frauen häufig von Schmerzen beim Wasserlassen oder Blut im Urin. Auch Dyspareunie (Schmerzen beim Sex), Rücken- oder Kopfschmerzen sowie Übelkeit, Blähungen und Erbrechen können auftreten.

Bei 40-60% der Frauen mit unerfüllten Kinderwunsch findet sich die Ursache in der Endometriose.1 Das ist damit zu begründen, dass auch die Eileiter in Folge von Blutansammlungen oder entzündlichen Prozessen verkleben, verwachsen oder vernarben können. Diese sind dann nicht mehr so gut durchgängig, was in einem erhöhten Risiko für Eileiterschwangerschaften oder Unfruchtbarkeit an sich resultieren kann.

Dennoch muss eine Endometriose nicht immer mit solchen Symptomen einhergehen! Bei einigen Frauen kann diese auch komplett stumm, also symptomlos verlaufen. Die Endometriose ist dann oft ein Zufallsbefund während einer anderen Operation.

Was sind die Ursachen von Endometriose?

Bisher konnte die Forschung noch nicht eindeutig herausfinden, was Endometriose verursacht. Es gibt jedoch einige Theorien, die zur Ursachenerklärung herangezogen werden.

Eine Theorie beschreibt den Vorgang der retrograden Menstruation: Das bedeutet, dass das Regelblut nicht ausschließlich nach unten durch die Vagina abfließt, sondern teilweise über die Eileiter zurück fließt und dadurch Endometriumzellen in umliegendes Gewebe und den Beckenraum verschleppt werden. Mittlerweile steht diese Theorie aber stark in der Diskussion, weil nachgewiesen werden konnte, dass diese retrograde Menstruation bei fast allen Frauen vorkommt, aber “nur” 10-15% eine Endometriose entwickeln. Außerdem ist heute klar, dass es ich bei Endometriose-Herden nicht exakt um Endometriosezellen handelt, sondern um Gewebe, welches denen nur sehr ähnelt, wodurch diese Therapie stark an Bedeutung verloren hat. Stattdessen glauben einige Wissenschaftler:innen, dass endometriales Gewebe vor der Geburt angelegt wird und bis zur Aktivierung durch die Hormone in der Pubertät schlafend liegt.

Welche Ursachen die Endometriose auch haben mag, dass das Immunsystem eine wichtige Rolle dabei spielt, ist unumstritten. Denn es produziert entzündungsfördernde Zytokine und Autoantikörper, die die Endometriose anfachen und ihr Wachstum fördern können.

Eine zunehmend vertretene Meinung in der Wissenschaft ist, dass Endometriose von einer Immundysfunktion verursacht wird. Einigen Ansichten zufolge wird es teilweise sogar als Autoimmunerkrankung charakterisiert. 

Auch eine genetische Veranlagung wird vermutet. So besteht ein 8-10fach erhöhtes Risiko, an Endometriose zu erkranken, wenn nähere Familienangehörige ebenso betroffen sind.

Habe ich Endometriose?

Konntest du dich in der oben beschriebenen Symptomkonstellation wiederfinden und kennst einige der erwähnten Beschwerden? Dann besteht die Möglichkeit, dass Endometriose hinter deinen Schmerzen stecken kann. Dennoch solltest du wissen, dass Unterleibsschmerzen viele verschiedene Ursachen haben können und die Diagnose “Endometriose” von deinem Frauenarzt oder deiner Frauenärztin gestellt werden sollte. Diese:r kann dann andere Ursachen ausschließen.

Endometriose kann man schwer von außen diagnostizieren, weil die häufigsten Herde in der gynäkologischen Untersuchung von außen nicht sichtbar werden. Im Ultraschall können die oben erwähnten Schokoladen-Zysten sichtbar sein, die aber auch eher nur bei schwerwiegenderen Verläufen auftreten. Um mit 100%iger Sicherheit eine Endometriose zu diagnostizieren, muss eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) gemacht werden, bei dieser dann auch Proben aus auffälligen Gebieten entnommen und anschließend unter dem Mikroskop untersucht werden. Einige Ärzt:innen versuchen auch einen Therapieversuch mit hormonellen Verhütungsmitteln (orale Kontrazeptiva), um eventuell eine Laparoskopie vermeiden zu können. Durch die Pille baut sich dann auch die Gebärmutterschleimhaut in den Endometriose-Herden nicht mehr (so stark) auf und Schmerzen können gelindert werden. Nehmen also die Beschwerden unter diesem Behandlungsversuch ab, wird die Diagnose Endometriose sicherer.

Kann man Endometriose heilen?

Per se kann Endometriose nicht geheilt werden, es gibt aber eine Menge verschiedener Behandlungsmöglichkeiten, um die Beschwerden zu verbessern.

Wie oben erwähnt, ist die medikamentöse Therapie eine Möglichkeit, um Schmerzen zu lindern. Weil sich die Gebärmutterschleimhaut östrogenabhängig auf- und abbaut, können orale Kontrazeptiva, also die allseits bekannte Pille, eingesetzt werden, um das Wachstum der Endometriose-Herde einzudämmen. Selbstverständlich gehen Hormonpräparate auch mit Nebenwirkungen einher, die du individuell für dich abwägen solltest. Auch Schmerzmittel wie Ibuprofen können schmerzlindernd wirken. Dennoch tragen diese Medikamente nicht dazu bei, dass die Endometriose-Herde verschwinden, sondern nur dass sie vorübergehend in ihren Symptomen abgemildert werden. Zusätzlich kann das Endometriose-Gewebe in seiner Form sehr variabel sein, das heißt, manche Zellen enthalten beispielsweise Hormonrezeptoren und andere wiederum nicht. Dadurch muss eine Therapie mit oralen Kontrazeptive auch nicht in jedem Fall Wirkung zeigen.

Um Endometriose-Herde zu entfernen, benötigt es eines operativen Eingriffes. Dabei werden entweder per Bauchspiegelung oder bei größeren Ausprägungen per Bauchschnitt die Herde ausgeschält und entfernt. Hierbei gibt es aber natürlich auch Risiken, denn nach OPs können sich ebenso Verwachsungen und Vernarbungen im Eingriffsgebiet bilden, die danach ebenso zu Schmerzen führen können. Zusätzlich ist bekannt, dass Endometriose zu häufigen Rezidiven neigt, also oft wiederkommt – selbst nach erfolgreicher operativer Entfernung. Das ist jedoch von Frau zu Frau unterschiedlich und du solltest für dich persönlich entscheiden, was dein richtiger Weg ist. Lass dich dazu doch am besten von deinem Arzt oder deiner Ärztin des Vertrauens beraten.

Auch wenn die Endometriose an sich nicht heilbar ist, gibt es einen Hoffnungsschimmer. Bei einigen Frauen konnte beobachtet werden, dass es nach einer Schwangerschaft zur dauerhaften Besserung der Beschwerden kam. Außerdem sind ein Großteil der Beschwerden östrogenabhängig. Das heißt, spätestens mit Eintritt der Menopause können sich die Endometriose-Schmerzen bessern, weil dann der Östrogeneinfluss erlischt. In seltenen Fällen wachsen und wuchern die Endometriose-Herde aber hormonunabhängig, sodass das Einsetzen der Menopause keinen Einfluss nimmt.

Zusätzlich möchten wir dir mit auf den Weg geben, dass es einige ganzheitliche Behandlungsansätze gibt, die dir dein Leben zusammen mit der Endometriose erleichtern können.

Was kann ich selbst bei Endometriose tun?

Hier möchten wir dir noch 6 Tipps an die Hand geben, mit denen du selbst deinen Körper bei Endometriose unterstützen kannst :

  1. Hormonregulation aus der Natur: Keine Lust auf künstliche Hormone? Auch die Pflanzenheilkunde bietet eine Menge pflanzlicher Wirkstoffe, die hormonmodulierend wirken. Zu den progesteronwirksamen Pflanzen zählen unter anderem Mönchspfeffer, Frauenmantel, Schafgarbe, Steinsamen, Yamswurzel.
  2. Entgifte und unterstütze deine Leber! Deine Leber ist Entgiftungsorgan Nummer 1 und du kannst sie pflanzlich unterstützen. Dazu eignet sich besonders gut die Mariendistel: Sie entgiftet und hat zeitgleich eine entzündungshemmende Wirkung. Sie hilft auch dabei, freizirkulierendes Östrogen abzubauen.
  3. Auch schmerzlindernde Heilmittel kannst du in der Pflanzenwelt finden. Bewährt haben sich dabei das Schöllkraut, Pestwurz und die Weidenrinde.
  4. Achte auf eine ausgewogene und gesunde Ernährung! Kohlarten und Hülsenfrüchte enthalten ebenso hormonmodulierende Wirkstoffe und können den Östrogenspiegel natürlich senken. Kresse und Meerrettich wirken sich positiv auf dein Immunsystem aus und Ballaststoffe unterstützen deine Verdauung. Ein wahrer Geheimtipp sind Leinsamen: Die enthaltenen Schleimstoffe haben eine beruhigende Wirkung auf entzündliche Endometriose-Herde und sie wirken hormonregulierend.
  5. Bewege dich! Dass Bewegung gesund ist, ist nichts Neues. Doch gerade bei Endometriose kann Sport viele positive Effekte zeigen. Bestimmte Yoga-Übungen können die Beckendurchblutung verbessern und sich so positiv auf deine Endometriose auswirken.
  6. Versuche, deinen Stress zu minimieren! Stress lässt unsere Muskeln verspannen und dabei verkrampft sich auch unser Unterleib. Das kann die Endometriose-Herde weiter aufflammen lassen. Außerdem hat negativer Stress auch Auswirkungen auf unser Hormongleichgewicht – es gerät ins Wanken und die Schmerzen können sich verschlimmern. Achte also auf genügend Zeit zur Entspannung – egal ob beim Yoga, beim Meditieren oder bei progressiver Muskelentspannung.

Fazit

Endometriose ist eine ernstzunehmende Erkrankung und stellt für betroffene Frauen einen immensen Leidensdruck dar. Unaushaltbare Schmerzen oder ein unerfüllter Kinderwunsch können stark an der Psyche nagen. Neben der schulmedizinischen Behandlung kannst du deinen Körper mit natürlichen Mitteln unterstützen, die deinen Körper stärken, mit der Krankheit umzugehen.

Wir von FEMNA stehen dir mit Rat und Tat zur Seite und beraten dich gern weiter zum Thema. Bei Fragen oder Anmerkungen kannst du dich jederzeit bei einer unserer erfahrenen Expertinnen melden.

Quellen

1 https://www.babyforte.de/endometriose/

http://www.uni-frauenklinik-tuebingen.de/endometriose-therapie.html

Buch „Die Perioden Werkstatt, Lara Briden“ 

https://www.tk.de/techniker/service/gesundheit-und-medizin/behandlungen-und-medizin/gynaekologische-und-urologische-erkrankungen/endometriose-2017316

Heide Fischer: Naturheilkundliche Behandlung der Endometriose – Erfahrungsmedizinische Therapiewege (2002)

Unter Mitwirken von Viktoria Klöpperpieper, Heilpraktikerin mit Schwerpunkt Frauengesundheit

Scroll to Top