Fruchtbarkeit: Tickt die biologische Uhr wirklich?

“Mit zunehmenden Alter sinkt die Fähigkeit, ein Kind gebären zu können. Schon ab 27 sinkt die Wahrscheinlichkeit”, – so die Amerikanische Gesellschaft für Reproduktive Medizin im Jahr 2002. Der 35. Geburtstag gilt schon fast als “magisches Datum”: Denn sind bis dahin noch keine Kinder im Haus, steigt der Druck bei vielen Frauen – sowohl vom Inneren, als auch von Außen. Es wird ein Keim der Angst gesät, den richtigen Zeitpunkt irgendwann zu verpassen und es später zu bereuen.

Aber ist die “große Baby-Panik” überhaupt gerechtfertigt? Haben Frauen über 30 die Chance auf ein Kind wirklich verpasst? Muss ich mich als Frau mit dem Kinderkriegen “beeilen”? Wie sieht die Datenlage zu diesem sehr sensiblen Thema aus? Wir von FEMNA haben uns das ganze einmal genauer angeschaut und können dir vorab schon sagen: Kein Stress!

Fruchtbarkeit und Alter

Warum die “Baby-Panik”?

Bereits ab der Geburt besitzen Frauen eine bestimmte Zahl an Eizellen. Wie viele genau ist abhängig von der Genetik. Um allerdings mal eine Zahl vor Augen zu haben, spricht man in der Medizin von ca. 1 Millionen Follikeln. Diese werden im Laufe der weiblichen Zyklen jedoch immer weniger, sodass im Alter per se weniger Eizellen vorhanden sind.

Fruchtbarkeit sinkt?

Auch die Qualität der Follikel soll mit der Zeit abnehmen, was eine Schwangerschaft über 35 erschwere. Allerdings ist auch dieser Fakt abhängig von Genetik und dem Lebensstil der Frau.

Ein weiteres Argument, das für die Babypanik spricht ist das Auftreten bestimmter Erkrankungen bzw. Symptome, die nun mal mit dem Älterwerden einhergehen. Dazu zählen Diabetes, Uterusmyome, Schwächung des Beckenbodens und Endometriums etc. Doch auch hier muss man sagen, dass es sich um einen Prozess handelt und nicht just mit dem 35 Lebensjahr auf der Matte steht. Verfrüht einsetzende Wechseljahre durch Abnahme der Geschlechtshormone soll ebenfalls einer Schwangerschaft über 35 im Wege stehen. Doch was kann noch die Fruchtbarkeit beeinträchtigen?

Gründe für eine geringe Fruchtbarkeit

Egal, wie alt du bist. Es besteht immer die Möglichkeit, dass es nicht sofort mit dem Wunschkind klappt. Ursachen können beispielsweise sein:

  • Hormonelle Dysbalancen
    • Gelbkörperschwäche, Schilddrüsenstörungen
  • Gynäkologische Erkrankungen
  • Geschlechtskrankheiten
  • Nährstoffmangel
    • B-Vitamine, Eisenmangel
  • Psychischer Druck
    • “Es MUSS jetzt klappen”, Unzufriedenheit, …
  • Seltener Sex oder zum “falschen” Zeitpunkt
    • “Verpasste” Ovulation

Mehr dazu findest du im unserem passenden Blogartikel zum Thema unerfüllter Kinderwunsch. Häufig liest man zudem, dass Frauen zwischen dem 20. und 24. Lebensjahr am fruchtbarsten sind. Doch was sagt die Datenlage dazu?

Die Studienlage

Jahrzehnte lang wurde den Frauen gepredigt, ab 35 ginge die Fruchtbarkeit massiv zurück – doch so wirklich belegt ist das gar nicht! Schauen wir uns die Studien an: Nach intensiver Recherche der US-Psychologin und Wissenschaftsautorin Jean Twenge gibt es gar nicht so viele Zahlen, die sich mit der weiblichen Fruchtbarkeit auseinandersetzen.

Eine der am häufigsten zitierten Studien besagt, dass eine von drei 35-40 Jährigen binnen eines Jahres nicht schwanger wird. Doch woher kommen diese Zahlen – und jetzt wird es interessant: Sie basieren auf Gesundheitsdaten von französischen Frauen zwischen 35 und 39 Jahren aus den Jahren 1670 bis 1830! Dass sich die Lebensumstände seit dieser Zeit wohl verändert haben, können wir uns denken: Höhere Lebenserwartungen, bessere medizinische Versorgung, reproduktive Medizin, usw… So einfach kann man diese Daten wohl nicht auf heute übertragen.

Dass sich die Zeiten geändert haben zeigt auch das Statistische Bundesamt in Deutschland: Im Jahre 2020 waren die Mütter im Durchschnitt 30,2 Jahre und die Väter 33,2 Jahre bei der Geburt des ersten Kindes alt2. Noch vor ca. 50 Jahren waren die Mütter durchschnittlich 6 Jahre jünger3.

Eine weitere Studie, veröffentlicht 2004 in Obstetrics & Gynecology, scheint ebenfalls nicht besonders aussagekräftig. Hier wurde eine relativ kleine Gruppe, von 770 europäischen Frauen begleitet. Heraus kam, dass Frauen zwischen 35-39 Jahren, die mindestens zwei Mal die Woche Sex hatten, eine 82-prozentige Chance haben innerhalb eines Jahres schwanger zu werden. Im Vergleich dazu lag die Wahrscheinlichkeit bei den 27-34 jährigen bei 86% – also nahezu identisch!

Ähnliches zeigt auch eine Studie von 2013. Auch hier lässt sich kein besonders großer Unterschied zwischen den 20-30 und den 30-40 Jährigen Frauen feststellen. Dieser “rapide Abfall” der Fruchtbarkeit kann also gar nicht richtig belegt werden – bedeutet das, dass das sogenannte “biologische Alter” vielleicht überschätzt wird?

Wie sieht es aus mit Schwangerschaftsrisiken?

Neben der angeblich sinkenden Fruchtbarkeit, gibt es noch eine weitere Angst, die viele Frauen über 30 plagt: Fehlgeburten und Geburtsfehler.

Fehlgeburten

Haben Frauen über 35 ein erhöhtes Fehlgeburtenrisiko? Die meisten Ergebnisse zum Thema Fehlgeburten entstammen nur aus sogenannten “In-vitro-Fertilisationen” (IVF). “In vitro” bedeutet so viel wie “im Glas”. Darunter wird eine künstliche Befruchtung, die im Reagenzglas durchgeführt wird, verstanden. Dabei werden die Eizellen der Frau in eine bestimmte Nährlösung gegeben und anschließend mit Samenzellen des Mannes bzw. Partners befruchtet.

IVF bei nachlassender Fruchtbarkeit

Da jüngere Frauen offensichtliche besser auf die Hormonbehandlung während dieses Prozesses ansprechen, ist die Fehlgeburtenrate bei ihnen etwas niedriger als bei Frauen über 35. Da die meisten Fehlgeburten allerdings in einem sehr frühen Schwangerschaftsstadium, noch vor einem positiven Schwangerschaftstest stattfinden, bleiben viele unbemerkt. Daher sind auch diese Zahlen nicht sehr zuverlässig: Es kann höchstens abgeleitet werden, wie hoch die Erfolgsraten bei künstlicher Befruchtung sind.

Geburtsfehler

Das Risiko von Chromosomenfehler, wie etwa dem Down-Syndrom, steigt mit dem Alter der Schwangeren. Dennoch bleibt die Gesamtwahrscheinlichkeit eher gering. Denn heutzutage können wir auf Frühtests zurückgreifen, um herauszufinden, ob Defekte vorliegen. Diese zeigen, dass bei den 35-Jährigen 99% der Föten gesund sind, bei 40 Jährigen 97%.

Welche Möglichkeiten bietet die reproduktive Medizin?

Mittlerweile gibt es einige Kinderwunschkliniken, die auf reproduktive Medizin setzen. Hier gibt es eine ganze Palette von verschiedenen Techniken, um den lang ersehnten Kinderwunsch zu behandeln. Die eben erwähnte In-vitro-Fertilisation ist nur eine davon.

Eine weitere Möglichkeit, die besonders für Frauen interessant ist, die erst später Kinder kriegen wollen ist das Social Freezing. Das bedeutet, dass du deine Eizellen in “jungen Jahren” einfrieren lassen kannst, damit sie zu einem späteren Zeitpunkt befruchtet werden können.

Social Freezing

Früher war diese Konservierung für junge Frauen gedacht, die sich einer Chemotherapie unterziehen mussten, welche die Fruchtbarkeit deutlich verringert. Mittlerweile hat ist der Anreiz jedoch stark gestiegen. Besonders für Frauen, die zunächst erst Fokus auf ihre Karriere legen oder sich mit der Partnerwahl Zeit lassen möchten, ist dieses Angebot durchaus attraktiv. Auch von gesetzlicher Seite gibt es in Deutschland keine Einschränkungen.

5 Tipps für eine verbesserte Fruchtbarkeit

  • Beobachte deinen Zyklus
    • Finde heraus, wann bei dir das Zeitfenster derer Ovulation ist! Sex 1-2 Tage vor dem Eisprung erhöht die Wahrscheinlichkeit schwanger zu werden.
  • Achte auf dein Hormongleichgewicht
    • Hormonelle Dysbalancen sind häufige Gründe für fehlende Eisprünge bzw. eine erschwerte Empfängnis. Besonders Stress ist hier ein fieser Gegner.
  • Meide Umwelthormone
    • Hormonähnliche Substanzen finden wir in ganz vielen Produkten, wie der Weichmacher des Plastik, Kosmetika oder Pestizide. Das kann deinen Körper ganz schön durcheinander bringen!
  • Substituiere die richtigen Mikronährstoffe
    • Von ganzem Herzen und vollster Überzeugung können wir dir unser Mikronährstoffpräparat Her Fertility als ideale Begleiterin empfehlen!
  • Intime Momente statt „Sex auf Kommando“
    • Na klar, ohne Geschlechtsverkehr kein Baby, doch bei vielen Paaren wird der Sex rasch nur das “Mittel zum Zweck”, anstatt zärtliche Zweisamkeit. Das erhöht den Druck und macht es zusätzlich schwer.

Wie FEMNA dich unterstützen kann

Ihr “probiert” es schon lange, aber das Wunschkind lässt immer noch auf sich warten? Du weißt mittlerweile gar nicht mehr, ob das mit der Fruchtbarkeit noch klappt? Wenn das so ist, dann stehen wir von FEMNA dir gerne zur Seite! Mit ausführlicher Diagnostik, die du ganz bequem von Zuhause machen kannst und dem bei FEMNA aktiven Medizinerinnen können wir dich auf deiner Kinderwunschreise unterstützen. Wir arbeiten ursächlich und nicht symptomatisch und nehmen uns Zeit für dich. Gemeinsam erarbeiten wir ein auf dich 100% zugeschnittenes Therapiekonzept. Gerne höre dir auch unseren Podcast zum Thema “Warten auf das Wunschbaby” an.

Und noch ein Wort zum Schluss

Die Empfängnis ist an viele Faktoren geknüpft – nicht nur an das Alter! Zumal es sich nicht stichhaltig belegen lässt, dass die Fruchtbarkeit ab 35 wirklich so rapide abfällt. Selbstverständlich ist die Frau nicht ihr ganzes Leben lang fruchtbar, doch das heißt nicht, dass ab 35 alles vorbei ist. Es gibt zahllose Beispiele von Frauen, die jenseits der 35 noch Mutter geworden sind. Da ist einfach jede Frau individuell – was auch gut so ist! Denn schließlich bringt die ganze Baby-Panikmache nichts außer Stress, der sich in der Folge ebenfalls negativ auf die Empfängnis auswirkt. Es liegt in der alleinigen Entscheidung der Frau wann sie dazu bereit ist, Kinder zu bekommen. Das mag bei der einen früher, bei der anderen später sein. Und selbst wenn es Schwierigkeiten in der Kinderwunschzeit gibt, dann bestehen viele Möglichkeiten, dir dabei unter die Arme zu greifen. Lass dich also weder entmutigen, noch unter Druck setzen!

Quellen

1: Twenge, J. M. (2013): How Long Can You Wait to Have a Baby?, in: The Atlantic, online: https://www.theatlantic.com/magazine/archive/2013/07/how-long-can-you-wait-to-have-a-baby/309374/

2:https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2021/07/PD21_343_12.html;jsessionid=BE552DE1B00F1966B1B8DA809CAC027E.live741

3: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Geburten/Publikationen/Downloads-Geburten/broschuere-geburten-deutschland-0120007129004.pdf?__blob=publicationFile

https://kinderwunschaerztin.de/kinderwunsch/social-freezing/

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