Unerfüllter Kinderwunsch und die Schilddrüse

Die Schilddrüse

Wenn die erwünschte Schwangerschaft auf sich warten lässt, empfehlen erfahrene Therapeuten die Untersuchung der Schilddrüsenwerte. Doch was hat die Schilddrüse eigentlich mit unserer Fruchtbarkeit zu tun? 

Die Schilddrüse stellt sich vor

Schöner wäre es eigentlich, sie würde Schmetterlingsdrüse heißen, hat die kleine hormonproduzierende Drüse doch beim Menschen die Form eines Schmetterlings. Sie wiegt durchschnittlich so um die 20 Gramm und doch geht in unserem Körper (fast) nichts ohne sie. Schilddrüsenhormone wirken unter anderem auf die Herzfrequenz und die Skelettmuskulatur. Sie steigern die Körpertemperatur und den Grundumsatz unseres Körpers und fördern das Gehirnwachstum und die Reifung; haben also direkten Einfluss auf die intellektuelle Entwicklung eines Menschen.  Damit nicht genug, die Schilddrüse hat einen maßgeblichen Einfluss auf unser Hormonsystem. Dazu nun mehr… 

Die Schilddrüse und ihr Einfluss auf die Fruchtbarkeit

Bei circa 10 % der Frauen ist für die ungewollte Kinderlosigkeit die Schilddrüse verantwortlich. Meistens ist eine Unterfunktion die Ursache, aber sowohl eine Unterfunktion (Hypothyreose), als auch eine Überfunktion (Hyperthyreose), beeinträchtigen die Libido, die Reifung der Eizelle und den Monatszyklus. 

Übrigens bewirkt eine Schilddrüsenunterfunktion auch bei Männern eine eingeschränkte Lust und Impotenz. Auch hier lohnt sich eine Untersuchung… 

Symptome einer Schilddrüsenerkrankung

SchilddrüsenunterfunktionSchilddrüsenüberfunktion
Gewichtszunahme trotz AppetitmangelGewichtsverlust trotz Heißhunger und vermehrter Nahrungsaufnahme
KälteempfindlichkeitErhöhte Körpertemperatur
VerstopfungDurchfall
MüdigkeitSchlafstörungen
Ausbleibende RegelblutungÜberstarke Menstruation
Trockenes, struppiges HaarDünnes, weiches Haar 
Psychische Veränderungen wie Müdigkeit, Verlangsamung, DepressionPsychische Veränderungen wie Rastlosigkeit, Nervosität, leichte Erregbarkeit 

Die Schilddrüse und ihr Zusammenspiel mit den weiblichen Hormonen

Es gibt nicht DAS weibliche Hormon, sondern mehrere Hormongruppen. Die wichtigsten Vertreter, nämlich Östrogene, Progesteron und das Prolaktin nehmen wir jetzt unter die Lupe.

Bevor im Körper Hormone ausgeschüttet werden, läuft im Hintergrund ein komplizierter Prozess ab. Laufend werden die Hormonkonzentrationen im Blut kontrolliert und bei einem Über- oder Unterangebot schütten die hormonellen Steuerorgane im Gehirn Botenstoffe aus, die zu einer Produktion von Hormonen, bzw. bei einem Überangebot, zu einem Produktionsstopp führen. 

Hier gibt es drei Hauptakteure – der Hypothalamus als oberste Instanz, die Hypophyse und die Zielorgane wie z.B. Schilddrüse. 

Bemerkt der Hypothalamus eine zu geringe Konzentration von Schilddrüsenhormonen im Blut, geht ein Befehl an die Hypophyse, das Zielorgan zur Hormonproduktion anzuregen. 

Das Prolaktin

Dieser Befehl an die Schilddrüse (TRH) bewirkt aber häufig nicht nur, dass die Schilddrüse die Hormone produziert, sondern regt auch die Produktion von Prolaktin an. Von einer Erhöhung des Prolaktinspiegels sind also vor allem Frauen mit einer Schilddrüsen Unterfunktion (auch Hashimoto) betroffen. 

Eine Erhöhung des Prolaktinspiegels kann zu veränderten Menstruationszyklen und auch zu Zyklen ganz ohne Eisprung führen. Aber – ohne Eisprung keine Schwangerschaft. 

Es gibt auch noch weitere Faktoren, die das Prolaktin erhöhen können, wie zum Beispiel anhaltender Stress, Schlaflosigkeit oder das Polyzystische Ovarialsyndrom. 

Die Östrogene

Es wird heutzutage viel über ein Zuviel an Östrogen – also eine Östrogendominanz gesprochen. Die Ursachen hierfür reichen von normalen Prozessen wie zum Beispiel vor den Wechseljahren, bis hin zu Umwelteinflüssen wie zum Beispiel in Weichmachern und auch der Nahrung. 

Eine Östrogendominanz äußert sich vor allem durch die PMS Symptome (Stimmungsschwankungen, Wassereinlagerungen, Brustspannen, starke Blutungen,…). Entscheidend zur Diagnostizierung einer Östrogendominanz ist nicht der reine Östrogen-Wert, sondern das Verhältnis zum Progesteron. 

Ein erhöhtes Östrogen kann zur Folge haben, dass die Schilddrüsen-Hormone stärker gebunden werden und weniger Hormone von der Schilddrüse freigesetzt werden, was wiederum in eine Schilddrüsenunterfunktion mündet.

Das Progesteron

In der zweiten Zyklushälfte ist das Progesteron das vorherrschende Hormon. Progesteron bereitet die Gebärmutterschleimhaut auf die befruchtete Eizelle und ihre Einnistung vor. Weitere Infos zum Progesteron findest du hier.

Ist das Progesteron zu niedrig, sind die Schilddrüsenhormone in ihrer Wirkung eingeschränkt. Außerdem gibt es einen deutlichen Zusammenhang zwischen einem Mangel an Progesteron und einer Hashimoto-Thyreoiditis (Schilddrüsenunterfunktion als Folge einer Autoimmunkrankheit). 

Fazit

Die Ursache für die ungewollte Kinderlosigkeit kann also zum Einen in einer bereits bestehenden Schilddrüsen Unter- bzw. Überfunktion bestehen, aber auch ein Ungleichgewicht der Sexualhormone kann eine Fehlfunktion der Schilddrüse bewirken, die sich wiederum ungünstig auf die Fruchtbarkeit auswirkt. Ein Kreislauf, der dringend unterbrochen werden sollte.

Was kannst du tun kannst

Wenn du Symptome einer Schilddrüsenerkrankung bei dir bemerkst oder seit Längerem erfolglos versuchst, schwanger zu werden, sprich mit deinem Arzt oder Heilpraktiker darüber.

Sinnvoll sind zunächst Laboruntersuchungen, bei denen die Werte TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon), T3 (Trijodthyronin) und T4 (Thyroxin) bestimmt werden. Sollten sich hier Auffälligkeiten ergeben, empfiehlt sich ein Ultraschall der Schilddrüse sowie weitere Blutuntersuchungen, z.B. auf Antikörper.

Die Therapie

Sowohl eine Unterfunktion als auch eine Überfunktion der Schilddrüse lassen sich mit Schilddrüsenhormonen gut einstellen und behandeln. Auch aus dem Reich der Heilpflanzen gibt es wirkungsvolle Unterstützung. Zudem können Gaben von Selen und Jod die Schilddrüsen Aktivität positiv beeinflussen. Da die Schilddrüse jedoch – einem Schmetterling gleich – sehr sensibel ist und sie so großen Einfluss auf den Körper hat, rate ich hier von Selbstversuchen ab. Suche dir einen Experten, der dich unterstützt. Es lohnt sich! 

Ein Wort zum Schluss

Die gute Nachricht ist, dass die Schilddrüse sehr gut zu therapieren ist. Selbst wenn du unter einer autoimmunen Schilddrüsen Erkrankung leidest, ist dies lediglich ein „kleines Steinchen“ auf dem Weg zu deinem Kinderwunsch. Suche dir professionelle Hilfe oder lass dich direkt bei uns beraten, welche Schritte in Frage kommen, um deine Schilddrüse bestmöglich zu unterstützen.

Bei Fragen rund um das Thema Kinderwunsch, Hormone und Schilddrüse, berät dich unsere Team der FEMNA-Expertinnen für Frauengesundheit gern!

Über die Gastautorin

Ines Hommels ist Heilpraktikerin und Fachtherapeutin für natürliche Frauenheilkunde. In ihrer Praxis in Hamburg betreut sie Frauen aller Altersklassen. Zu ihren Praxisschwerpunkten zählen unter anderem unerfüllter Kinderwunsch, Post Pill Syndrom und PCO. Ihre Liebe gilt der Pflanzenheilkunde. Auch Homöopathie, anthroposophische Medizin, Aromatherapie, TCM und bioidentische Hormone zählen zu ihren Therapieoptionen. 

Quellen:

Bierbach, Elvira, ed. Naturheilpraxis heute: Lehrbuch und Atlas-mit Zugang zum Elsevier-Portal. Elsevier Health Sciences, 2013.

http://www.dr-schulte-uebbing.de/inhalte/doku/zaenmagazin_progesteron.pdf

https://www.netdoktor.de/krankheiten/schilddruesenunterfunktion/kinderwunsch/